Lösch dein Feuer nicht!

In Brasilien ist alles anders: Überall liebt man in Südamerika die Cumbia, eine Art Schlagermusik, in Brasilien liebt man Tecno Brega. Überall werden Gesetze von oben herab entworfen, in Brasilien schreiben die Bürger online an einem neuen Internetgesetz. Ronaldo Lemos, brasilianischer Netz-, Creative-Commons-Experte und Regierungsberater in Internetdingen, zeigte  in seinem Vortrag auf der Berliner Blogger-Konferenz re:publica, wie Free Culture in Brasil funktioniert:

Er veranschaulichte anhand der Entwicklung des brasilianischen Tecno Brega-Markts, wie sich der Kult für Technologie auf Soundsystem-Parties in einen starken Musikwirtschaftszweig entwickelt. Die DJs produzieren ihre eigenen CDs, für 30 Dollar in einem Aufnahmestudio und geben sie dann, ohne an den Einnahmen beteiligt zu werden, an die Straßenverkäufer weiter. Dort werden diese simplen CDs – ohne großartige Cover oder Booklets  – billig unter das Volk gebracht. Natürlich verkaufen auch die Künstler direkt: Dann aber teurer und mit interessanten Grafiken, mit Designs und Extras. Der DJ verdient an seiner billigen CD erst dann, wenn sie dazu führt, dass Investoren ihm Parties organisieren. Die Investoren verdienen an den Eintrittskarten.

Dieses mehrgleisige, vielmediale Geschäftsmodell führt, so Lemos, zu einer schnellen Anpassung an neue – auch digitale – Strukturen. Die beliebteste brasilianische Gruppe ist Calypso, ein “Produkt dieser Szene.” Ähnliche Szenen gäbe es natürlich auch in anderen “globalen Peripherien”, so etwa Bubblin’ (Surinam), Kwaito (Südafrika), Coupe decalé (Elfenbeinküste) oder Cumbia Villera (Argentinien), welche heute vor allem direkt übers Handy per Bluetooth heruntergeladen, der Straßenverkäufer ist dort, so Lemos, schon fast weggefallen.

Brasilien selbst passt sich derzeit auch sehr schnell an digitale Strukturen an, der Entwurf des neuen Internet-Gesetzes (Marco Civil da Internet) wird in 2 Phasen à 45 Tagen mit den Bürgern online diskutiert. In der ersten Phase erhielt gingen 800 Kommentare mit Vorschlägen ein, die in einem Entwurf verarbeitet wurden. Dieser ist seit dem 8. April 2010 online. Die zweite Phase dient nun der Diskussion des Entwurfes – der dann schlussendlich ganz klassisch vom Parlament diskutiert und verabschiedet werden soll.

Sagen wir es mit ein bisschen Cumbia: Lösch dein Feuer nicht!

Share

Schlagworte: , , , , , , ,

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.