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Auftauchen

Samstag, 21. November 2009
lift zur oberfläche

Ziel: Oberfläche. Schild an der U-Bahn-Station Theresienwiese in München.

Wer in der Münchner U-Bahn sein Handy benutzen will, stößt an Grenzen. Seit September 2009 gibt es zwar an wichtigen Knotenpunkten der Münchner U-Bahn Handyempfang, darunter am Marien-, Odeons- und Karlsplatz (Stachus), an Hauptbahnhof, Sendlinger Tor sowie am Oktoberfest-Bahnhof Theresienwiese, seit ein paar Tagen auf der U2 bis Messe-Ost. Aber an den meisten Orten im Untergrund herrscht Funkstille, so ähnlich wie in deutschen Theatern, vielen Kinos und Konzertsälen. In den Zügen ist es erstaunlich ruhig, viele lesen oder hören Musik. Kein Netz = mehr Kulturbewusstsein? Wäre doch mal ein kulturoptimistischer Reformvorschlag!

Wer in der bayerischen Landeshauptstadt Nummern wählen und das Freizeichen hören will, muss auftauchen an die “Oberfläche”, also aus dem Dunkel ins Helle. Auf diesem Wege erfährt die Oberfläche eine Aufwertung: Wer oben ankommt, ist nicht mehr nur oberflächlich, sondern kann sich wieder kommunikativ in das globale Dorf einbringen und mit der Tante in Kalifornien oder dem Alm-Ödi telefonieren. Auch die Unterwelt erfährt eine Aufwertung: Kein stinkender Hades, keine Schwefeldämpfe und Schreie verdammter Seelen, die das Miteinander eher verhindern, sondern ein Elektrosmog-freier Raum für echten Kontakt zwischen ich und du. Und manchmal läuft auf den Bahnhöfen leise Klassik.

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