Artikel-Schlagworte: „Kindle Direct Publishing“

Amazon kennt mich

Donnerstag, 8. November 2012


Aaah, Amazon kennt mich so gut wie nur ich mich selbst,daher habe ich nun eine Mail mit Leseempfehlungen bekommen, die an erster Stelle mein erstes, selbstpubliziertes Ebook “Mein Freund und der Papst” (siehe Bild) anbietet. Die Mail aus dem Hause Amazon trug so gar den gleichen Titel wie mein Buch. Wie absurd ist das denn bitte? Interessanterweise ist mir das mit meinen, auch bei Amazon erhältlichen Papierbüchern noch nie passiert. Nun frage ich mich, ob es daran liegt, dass ich meine Ebookseite so oft besucht habe, weil ich nach neuen Leserkommentaren Ausschau hielt? Oder ist die Mail eine Werbemail, die auch an andere User so herausgeht – macht Amazon also kostenlos Werbung für mich? Das müsste ich in ein paar Tagen wissen, wenn ich sehe, ob die Verkäufe zugenommen haben. Im Moment habe ich 4,55 Euro an “Tantiemen”, wie es in den Verkaufsberichten von Kindle Direct Publishing heißt, eingenommen.

Oder ist diese Mail ein ironischer Kommentar des Ebookwesens auf den analogen Buchdruck? Denn dort ist es ja mehr als häufig so, dass Autoren ihre eigenen Bücher stapelweise kaufen, um sie zu verschenken oder mit anderen Autoren zu tauschen. Nur geht das Verschenken von Ebooks halt noch nicht so richtig – nimmt man social-gifting-Plattformen wie Wrapp einmal aus, die ja, so kritisiert es Jürgen Vielmeier auf Basicthinking, voraussetzen, dass ich mich über ein soziales Netzwerk etwa Facebook anmelde. Dadurch wird das Schenken von einer privaten, persönlichen Handlung zu einer quasiöffentlichen, weil meine Geschenkhandlung natürlich mit dem sozialen Netzwerk verknüpft wird. Dass meine Geschenktat von einem Algorythmus ausgewertet wird, ist ebenso offensichtlich.

Eigentlich kann ich froh sein, dass Amazon mich gar nicht kennt. Denn natürlich würde ich nie mein eigenes Ebook kaufen. Ich habs ja schon. Und kann die Datei so oft und kostenlos verschicken, wie ich will. Ganz ohne Amazon.

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Zwei Gratistage

Sonntag, 14. Oktober 2012

Interessiert vielleicht nicht jeden, aber für alle, die auch selbst publizieren wollen, hier mein zahlenlastiger, prosaischer Bericht von Tag 2 des kostenlosen Ebookverkaufs auf Amazon: 328 heruntergeladene Exemplare, drei Leserrezensionen, davon zwei von mir unbekannten Leuten, die beide eine Fortsetzung wollen. Platz 70 in den Top 100 “kostenfrei im Kindle Shop”, Platz 34 in der kostenlos-Rubrik “Belletristik”, Platz 9 bei “Humor” und nicht zu finden bei “Kurzgeschichten und Anthologien”. Wahrscheinlich wird die Platzierung nicht nur über die Gesamtsumme der Exemplare berechnet, sondern über einen Steigerungsquotienten. Wenn ich von 0 auf 101 Exemplare (am ersten Gratistag) steige, ist das eine extremere Steigerung als von 101 auf 328. Daher bin ich in der Humor-Rubrik wieder gesunken.

Nachdem meine Gratis-Aktion beendet war, habe ich zwei weitere Bücher verkauft, bin auf Rang 19.331 im Amazon Kindle Store gerutscht. Und habe auf der Frankfurter Buchmesse gleich am kindle direct publishing-Stand in Halle 8.0 nachgefragt, was ich denn jetzt so tun kann. Atif Ratiq, General Manager, war sehr freundlich und auch amerikanisch-begeistert “oh, that’s great, Nikola”, aber so richtig konnte er mir nicht helfen.

- Ich brauche einen Algorhythmus, der den Erfolg der Gratisaktion irgendwie zumindest einen Tag auf die Verkaufsversion umrechnet. Sonst bringt es mir nichts, etwas zu verschenken

- Ich brauche eine Funktion, die alle diejenigen, die das Buch gratis heruntergeladen haben, darüber informiert, dass ich eine Fortsetzung geschrieben habe (falls ich das tue)

Atif Ratiq meinte, beides käme bald, aber ein genaues Datum könnte er nicht sagen. Ich fragte: “In diesem Jahr oder im nächsten?” “Wahrscheinlich in diesem.” Na, bitte. Schaun wir mal. Bis dahin probiere ich auch andere Selfpublishingplattformen aus.

Nachtrag: Habe gerade unter den für den Virenschleuderpreis eingereichten Marketingkampagnen im Literaturbetrieb folgende Gratis-Aktion-Berichterstattung gefunden. Tina Folsom hat den Verkauf ihrer Vampirromane durch das Angebot eines kostenlosen Serienteils ziemlich gesteigert.

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Platz 6 mit Humor

Dienstag, 9. Oktober 2012

Inspiriert von Johnny Häuslers erfolgreichem und wirklich lesbarem Selbstexperiment, einfach mal ein Ebook zu produzieren und zu schauen, was passiert (ok, so einfach ist es nicht, man muss schon alle seine Freunde und Bekannte zuspammen), hab ich gestern eine meiner Kurzgeschichten auf Amazon angeboten. Und vorher mit Basis-Designwissen ein trashiges Cover aus einem Urlaubsfoto gebastelt. Gestern fanden das zwar viele auf Facebook toll, aber ich verkaufte nur zwei Exemplare.

Heute bin ich auf dieses windige Amazon-Angebot angegangen, das Buch 90 Tage exklusiv nur bei ihnen anzubieten und es in das Ausleihprogramm mit aufnehmen zu lassen. Das funktioniert meines Wissens erst in den USA, und ich kann als Autorin nichts verdienen, wenn mein Buch ausgeliehen wird. Aber: Ich kann Anteile am Amazon-Fonds erwerben, der sich pro Monat auf 600.000 und bis Ende 2012 auf 6 Millionen Dollar beruft. Ich glaube kaum, dass jemand in den USA mein Buch ausleihen wird, außer vielleicht irgendwelche christlichen Fundamentalisten deutscher Abstammung, die denken, ich habe über die Pilgerreise meines Freundes in den Vatikan geschrieben. Gut an diesem Angebot ist aber, dass ich das Buch fünf Tage lang kostenlos anbieten kann. Und siehe da: Nach einem Tag plus Twitterei, Facebookerei und Mailerei finde ich es in der Rubrik “Humor” auf Platz 6. Die heruntergeladenen Exemplare wurden immer dann mehr, wenn ich  auf den kostenlosen Download hingewisen habe. Ohne digitalen Wirbel gehts also nicht. Und der ist ganz schön nervenaufreibend. Klick hier, klick da, hier was checken, da was aktualisieren… Puh. Insgesamt hab ich 101 Exemplare verschenkt.

Nun frage ich mich natürlich, was passieren wird, wenn ich das Buch auf einmal wieder kostenpflichtig anbiete. Rutsche ich dann aus der Gratis-Bestsellerliste heraus? Oder automatisch in die Bezahl-Bestsellerliste?

Da ich mir nicht sicher war, ob in meinem Leser- und Bekanntenkreis überhaupt Kindle-Bücher heruntergeladen werden (können), ob also überhaupt die Geräte- und Techniklage es erlaubt, bin ich nun belehrt worden. Ja, es wird gemacht. Und ich könnte mir vorstellen, dass, wenn ich einen anderen Shop benutzt hätte, es auch funktioniert hätte.

Nachtrag: 22 Uhr, die Schnapszahl 44 zeigt den Papst bei den Top 100 in der Groß-Rubrik “Belletristik”:

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