Artikel-Schlagworte: „Frauen“

Tengo un proyecto por 15 dias

Mittwoch, 14. Juli 2010

Hyperlinks sind out, schreibt Johannes Thumfart auf Zeit Online. Ich würde dagegen setzen: Nein, sie sind in, aber nur, wenn sie einen neuen Gedanken mit sich bringen. Vielleicht ist es nicht mehr allzu angesagt, Romane zu schreiben, die sich nur durch mühsame Klick-Spaziergänge lesen lassen. Wir wollen schnelle Seiten, inhaltlich anregende, individuelle Seiten mit wenig Schnickschnack. Denn: Vor allem kommerzielle Klickgalerien sind out. Jeder, der online mit Texten arbeitet, versucht, sie möglichst zu vermeiden.

Seit einiger Zeit experimentiere ich damit, einzelne Worte und Begriffe von im Blog veröffentlichten Gedichten mit Links zu versehen. Aktuell auf einem Blog “Ich habe ein Projekt für 15 Tage” mit der argentinischen Dichterin Paz Levinson: Jeder Text, abwechselnd von einer von uns geschrieben, enthält einen Link, über den dann die nächste schreibt. Diese Verkettung von Webseiten illustriert telepathische Assoziationen, Bilder vermitteln Wege durchs Netz, eine Recherche, einen Pfad nach draußen.

Diese Webtipps, wie ich sie auch nennen könnte, sind wie kleine Geschenke, die der Leser aufmachen kann oder nicht. Hier ist der Klick nur ein Angebot, kein psychologischer Zwang. Eine weitere Dichterin aus Buenos Aires, Cecilia Pavón, sieht das ähnlich: “Poemas con links un nuevo genero” (Gedichte mit Links, ein neues Genre). Und daher verlinken wir weiter, ich im deutschen Sommer, Paz im argentinischen Winter. Welche Jahreszeit herrscht in unserem 15-Tage-Projekt? Sommerwinter oder Wintersommer? Oder die Wintersonne?

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Girls blog too

Freitag, 30. April 2010

Annina Luzie Schmid hat mich interviewt, für ihre Serie über bloggende Frauen auf “Girls Can Blog”. Vielen Dank!

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Wo sind die bloggenden Frauen?

Montag, 7. Dezember 2009

Die Datenschutz-Expertin Anne Roth fragte sich das Ende November auf ihrem Blog annalist: Warum gelten nur männliche Blogger wie Stefan Niggemeier, Markus Beckedahl, Sascha Lobo als “Alpha-Blogger“? Wo sind die Frauen?? Fehlt ihnen der Ehrgeiz, auf Rankings aufzutauchen, widmen sie sich zu vielen diversen Themen, so dass sie sich verzetteln, ist Frauen die Aufmerksamkeit nicht so wichtig? Kommunizieren sie klein, also zu leise? Saßen sie deshalb bei der re:publica 2009, der Berliner Blogger-Konferenz, nur auf einem Panel, dessen übergreifender Titel den Schluss nahelegen konnte, Frauen bloggten nur über Babykotze? Sind sie zu schlecht vernetzt? Letzteres lässt sich leicht ändern, daher verlinke ich hier meine Erkenntnisse über Frauen im Netz. Andere Link-Listen, als Reaktion auf Anne Roths Blogpost, gibt es natürlich auch schon, nämlich hier und hier. Sozial-medial haben sich die Bloggerinnen schon vernetzt, untereinander, als Girls on the Web-Facebook-Gruppe (Join us!) und als Twitter-Liste, z.B. vom Fräulein Tessa.

Ich lese die Frauen alle sehr gerne, allerdings schreiben viele dezidiert mit feministischem Ansatz. Ist das für die Blogosphäre uninteressant? Kann ja eigentlich nicht sein, denn sie besteht auch aus lesenden Frauen. Müssten andere Themen stärker aufs Parkett? Wo sind die politischen, ökonomischen, kulturellen Bloggerinnen? Wo die Sport-Blogger? Die Theoretikerinnen? Die Online-Journalismus-Weiterdenkerinnnen? Die Investigativen? Die Globalen? Etc?

Die gute Nachricht ist: Über all das schreiben Frauen bereits, aber meist versteckt zwischen anderen Inhalten. Und selbst, wenn Bloggerinnen sich für ein bestimmtes Thema einsetzen, schreiben sie weniger mit dem Anspruch, sich auf ein Spezialistentum zu begrenzen, Meinungsführung zu geben, ihr Ego zu polieren. Sie schreiben weniger aufgeregt, weniger netzpolitisch, weniger aggressiv. Vielleicht machen sie das Netz ruhiger. Differenzierter?

Bildet euch einfach selbst eine Meinung, bringt ein bisschen Zeit mit und lest mehr Frauen! Hier ist meine subjektive Auswahl (die sehr gerne ergänzt werden kann). Achja, Frauen sind ja auch immer so krass subjektiv.

Das Gruppenblog der Mädels (plus einen Mann) von der Mädchenmannschaft (Susanne Klingner, Verena Reygers und andere) wurde 2009 für den Grimme Online Award nominiert. Ist wahrlich kein Geheimtipp, aber ein gut funktionierendes, oft heiß diskutierendes Blog. Um ähnliche Themen, aber mehr Philosophie, ein bisschen Religion, eine eher akademische Perspektive gehts bei Antje Schrupp. Ihre Webseite sieht etwas chaotisch aus, nicht abschrecken lassen. Aktueller Text “Kann eine Feministin fromm sein?” Es lohnt sich durchaus, darüber in der Vorweihnachtszeit einmal nachzudenken.

Mercedes Bunz ist nach ihren Stationen beim Berliner Stadtmagazin zitty (Chefredakteurin) und beim Tagesspiegel Online seit August 2009 beim Guardian Online in London als Technology Reporter eingestiegen. Damit ist sie auch eine der wenigen deutschsprachigen international wahrgenommenen Bloggerinnen – die Frage ist bloß, ob man sie überhaupt als Bloggerin bezeichnen kann? Eine andere redaktionell angebundene Schreiberin, Teresa Bücker, ist Social Media Managerin bei Freitag.de (bis vor einiger Zeit nannte sich ihr Job noch “Community Management”). Sie hat ein eigenes Blog zum Thema Girlism, sehr lesenswert, vor allem, wenn man sich für karierte Klamotten, Popkultur und Feminismus interessiert. Die Klassikerin unter den Netz-Schreiberinnen ist wohl Katrin Passig von der ZIA (Zentrale Intelligenz Agentur). Sie bloggt manchmal auf Riesenmaschine und verfasst eine ”Internetkolumne” im Merkur, einer gedruckten Zeitschrift, oho. Dass sie 2006 den wichtigen Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten hat, weiß jede, oder?

Auch Professorinnen bloggen, nämlich Miriam Meckel, die Freundin von Anne Will. Sie unterrichtet an der Universität St. Gallen Corporate Communication und ist dort Direktorin des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement. Ihr Blog hat seit kurzem ein schickes neues Design und bietet saisonal sogar einen Adventskalender für ihre Leserinnen und Leser. In diesem Kontext kann ich endlich meine Frage loswerden, warum es in diesem Jahr eigentlich so viele digitale Adventskalender gibt (z.B. auf radio eins, bei Drama Köln)? Ich stelle nachmittags jetzt immer ein Teelicht neben mein Laptop, das schafft auch relativ viel Stimmung, besonders, wenn sich mal eine Seite nicht so schnell lädt – wegen der Adventsdownloads.

Die einzige Bloggerin, die von der Blog-Anzeigenplatz-zu-verkaufen-Gesellschaft Adnation vermarktet wird, heißt Franziska Bluhm. Sie hat auf ihrem Blog (Franziskript) gerade die Blogger des Jahres 2009 aufgelistet. Darunter ist interessanterweise nur eine Frau, nämlich Happy Schnitzel (Susanne Reindke) mit ihrem Twitterfeed. Adnation wurde im Übrigen von Sascha Lobo, Max Winde, sowie den Spreeblick-Gründerinnen Tanja und Johnny Haeusler gerufen, Tanja Häusler bloggt hier. Das kultigste berlinische Fotolog, Stil in Berlin, macht die Fotografin Mary Scherpe – es wird auch von ZEIT ONLINE unterstützt, also: verlinkt. Über Musik, Kunst, manchmal auch über Theater, bloggt Mary auf ihrem Textblog Quite contrary. (Ich hatte mich hier vertippt und Textlblog geschrieben; und dann mal schnell gegooglet: Textlblog ist noch frei! Falls eine von euch noch einen Namen sucht…)

Zum Abschluss etwas typisch Bloggiges, nämlich Geschichten aus dem Alltag, in diesem Fall von Madame Modest. Und der Nachwuchs: Eva Lautsch, die Stadtpiratin, bloggt über ihr Jurastudium, Mode, Recht, Feminismus und viele, viele andere Dinge, z.B. Kapitalismuskritik und Bücher.

Von wegen, es gibt keine spannenden Bloggerinnen!

Postscriptum: Offline-Lesetipp Missy Magazine! Glückwunsch zum 1-Jährigen! Es wird in Hamburg von engagierten Frauen (z.B. Chris Köver) gemacht. Es liest sich in etwa so: Popkultur, Frauen, aber auch neue Familienmodelle, Vorbilder, Do-it-Yourself-Basteltipps, ökologische Turnschuhe, … Erst wenn man dann wieder ein “normales” Magazin liest, fällt einem auf, wie wenig Frauen “normalerweise” vorkommen.

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Maschinen verstehen

Sonntag, 18. Oktober 2009
Hav U 4gth me

SMS als Gipsplatte - oder Grabstein? Bodenskulptur der koreanischen Künstlerin Youngjoo Cho

Frauen und Technik! Ein Großteil der 15 internationalen Künstlerinnen, deren Werke noch bis 29. November in Berlin im Kunstraum Bethanien in der Ausstellung Spendid Isolation zu sehen sind, setzen sich damit auseinander, wie Maschinen sich in unser Leben einmischen. Jana Debrodts Holzbox verwandelt Lärm in Energie, der Verkehr an der AVUS brachte sogar eine Lampe zum Leuchten. Larissa Fassler (Kanada) misst anhand ihrer Körpermaße öffentlichen Raum aus und verweigert sich somit den Messgeräten (3 Schritte entsprechen 1 cm in ihren Pappmodellen, etwa vom Kotti), Marte Kiessling stickt mit Leuchtdioden Nachrichten an die Wand: “I don’t want to be an artist, I want to be happy.” Youngjoo Cho faxte staatliche Unterschriften ihres koreanischen Passes in 600-facher Vergrößerung Seite für Seite in den Ausstellungsraum und hängte die Einzelteile an der Wand zusammen, und Yuka Oyama (Japan) bat arbeitende Menschen, ihre kleine Helden, Hilfen oder Versuchungen des Alltags zu zeichnen und in Figuren zu verwandeln: Post-its mit Beinen, Schokolade mit Ärmchen. Frauen stellen eben immer Beziehungen her, sie sind wahre Maschinen-Versteher.

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