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Der naive Vogel

Sonntag, 15. August 2010
carlos contente photobucket by agemda

Das Ich als Spinne mit Pacman-Karnivoren. Ausschnitt aus einem Carlos Contente-Gemälde. Photobucket by agemda.

Er druckt sein grimmiges Gesicht auf Wände, Mauern, Zettel, Schallplatten, zeichnet sich mit vielen Köpfen und Beinen, verbunden mit der Welt durch Bleistiftleitungen. Und er heißt paradoxerweise Carlos Contente, Carlos Zufrieden. Der junge brasilianische Künstler (Jahrgang 1977, Rio de Janeiro) wird derzeit in der ifa-Galerie Berlin ausgestellt. Die großformatigen Papierblätter, auf denen sich der Künstler multipel-irre porträtiert, erzählen keine Geschichten, sind aber doch irgendwie autobiographisch. Wenn wir aus unserer Seele zitieren könnten, wären das vielleicht solche Wesen. Sie halten einzelne Momente der Selbstwahrnehmung fest, in all ihrer Komplexität, Absurdität und Verlorenheit. So zwitschern kleine naive Vögelchen der stets frontal den Zuschauer anstarrenden Figur ein, manchmal von nah, manchmal von fern. Auf den Vinyls der Serie “La Fiesta” gesteht der Künstler sich ein, dass er perfekt schlecht zeichnen kann. Alles eine große Illusion. Aber das Benennen dieser Täuschungen erzeugt bereits eine neue Realität. Jeder könnte dieses Ich sein. Denn wer ist heute nicht ständig damit beschäftigt, sich abzugrenzen, von der Familie, dem Kindlichen, den Ansprüchen, den Überforderungen, dem Selbstzweifel? In der Zweidimensionalität liegt eine Chance: Konturen zu erkennen. Die Technik dieser philosophischen Erkenntnis-Comic ist eine des Nacheinander-Denkens.

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