Artikel-Schlagworte: „Blog“

Die nächste Literatur

Dienstag, 18. September 2012

Da hat die Kulturstiftung des Bundes mal wieder den richtigen Riecher: Sie fördert den Thinktank Litflow mit Experten, Innovationen und Austausch zur “nächsten Literatur”, so das einprägsame Schlagwort der Veranstalter Guido Graf, Thomas Klupp und Stephan Porombka. Auf dem Konferenzblog, das sich ganz literarisch “Magazin” nennt, wird seit Anfang August in die Zukunft geschaut und geschrieben: Guido Graf weiß schon, wie die Rezensionen der nächsten Literatur aussehen, Karl Wolfgang Flender gibt anhand des netzgegenwärtigen US-amerikanischen Dichters Steve Roggenbuck neun Hinweise für die nächsten Autoren, Stephan Porombka antwortet auf die Thriller-Autorin Zoë Beck und erläutert die Veränderungen, die auf Verlage und Autoren zukommen.

Ich habe da mal ganz monumental meine Recherchen zum Ebook reinfließen lassen dürfen: Sind wir bald alle auf E?

Der Thinktank ist übrigens öffentlich, er findet am 28. und 29. September im Theaterdiscounter in Berlin statt. Anmeldeadresse etc. gibts hier.

Share

Schlagworte:, , , , , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Literatur, Technik | Keine Kommentare »

Eintauchen

Samstag, 7. Mai 2011

Das Theatertreffen 2011 startete mit viel Wasser. Die siebenköpfige Blog-Redaktion startete mit neuen Formaten, darunter die “Guttenberg-Kritik” oder “Seitenrang links“. Noch zwei Wochen ab heute für weitere kulturjournalistische Experimente. Exklusiv-Vorschau: aktuelle Reaktion auf den Fragebogenzensus, der am 9. Mai startet, und ein Interview mit einem Pferd. Wer mich sucht, der mich dort findet, bis 24. Mai tauche ich ab…

Link zum Theatertreffen-Blog 2011.

Share

Schlagworte:, , , , , , ,
Veröffentlicht in Journalismus | Keine Kommentare »

Lila und gelb

Dienstag, 8. März 2011

tt-blog_banner_160x90

Ich habe mal wieder einen Schreibtisch im Haus der Berliner Festspiele bezogen, ich, die moderne Wanderarbeiterin. Von hier beackere und besiedele ich nun mein aktuelles Feld, das Theatertreffen-Blog 2011. In diesem Jahr ist so einiges anders: Wir suchten vor allem Kulturblogger und wollen damit die Kulturdebatten im Netz, die schon vielerorts stattfinden, bündeln und stärken. Und wir bloggen schon im Voraus, bevor das Festival im Mai beginnt, direkt von den Büroetagen aus, von dort, wo die Veranstaltungen geplant, diskutiert und koordiniert werden. Daher ist das tt-Blog nun schon im März im neuen Gewand zu sehen, in den Farben lila und gelb. Die Vorfestival-Phase hat begonnen.

Der erste Gastbeitrag kommt von Iris Laufenberg, der Leiterin des Theatertreffens. Pünklich zum Frauentag fragt sie sich, was der uns eigentlich brachte, in den 100 Jahren, die er in diesem Jahr Geburtstag feiert.

Sobald die Blogger feststehen und das Plakat, ändert sich das Blog noch einmal und betritt die “Festival-Phase”.

Share

Schlagworte:, , , , , ,
Veröffentlicht in Blogpraxis | Keine Kommentare »

Jazzgeigenmusik

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Seit heute blogge ich unter My Favourite Strings über alles, was mit Jazzgeige zu tun hat, weil ich festgestellt habe, dass es dazu eigentlich nicht viel im Netz gibt, bzw. das, was es gibt, ist überall verteilt. Die Geige ist immer noch ein eher seltenes Instrument im Jazz, was mich verwundert, weil sie eigentlich in jeglicher Volksmusik (sei es in Irland, den USA, in China oder Indien) gut vertreten ist. Entweder sie oder ihre Verwandten. Und Jazz ist zwar eine klassisch überformte Musikrichtung, aber eine, die sich ohne Folklore und populäre Einflüsse nie entwickelt hätte…

Der Name des Blogs ist eine Anverwandlung des Songtitels “My Favourite Things”, einem Song, den Julie Andrews im Musical “The Sound of Music” (Richard Rodgers, 1959) singt. Er ist in der Originalversion etwas überkandidelt, aber die Melodie, hach… Björk, Outkast, Barbara Streisand, Bobby McFerrin u.a. haben diesen Standard auch gecovert. Und eben John Coltrane:

Und der Text, der könnte ermutigender nicht sein. Er ist eine Hommage an die Dinge, die man mag. Wenn man mal anfängt zu zählen, was da alles ist auf dieser Welt, dann ist die schwierige Zeit schon fast wieder vorbei.

Raindrops on roses and whiskers on kittens;
Bright copper kettles and warm woolen mittens;
Brown paper packages tied up with strings;
These are a few of my favorite things.

Cream-colored ponies and crisp apple strudels;
Doorbells and sleigh bells and schnitzel with noodles;
Wild geese that fly with the moon on their wings;
These are a few of my favorite things.

Girls in white dresses with blue satin sashes;
Snowflakes that stay on my nose and eyelashes;
Silver-white winters that melt into springs;
These are a few of my favorite things.

When the dog bites,
When the bee stings,
When I’m feeling sad,
I simply remember my favorite things,
And then I don’t feel so bad.

Share

Schlagworte:, , , ,
Veröffentlicht in Allgemein | 2 Kommentare »

Internationale Kulturblogger gesucht!

Montag, 13. Dezember 2010

Auch für das Theatertreffen 2011 werden wieder theaterinteressierte, webaffine Schreiberinnen und Schreiber unter 35 Jahren gesucht. Infos zur Bewerbung (Bewerbungsschluss 31. Januar 2011).

Von Anfang an, und nicht gerade unbeeinflusst durch den Enthusiasmus seiner Fans, wirkte das Internet weniger wie eine Technologie sondern eher wie eine soziale Bewegung – wie der Kommunismus, Feminismus und Rock’n’Roll. Eine Ideologie, die wir Webismus nennen könnten. Während wir anderen Kinoanfangszeiten nachschlagen, Pullis kaufen und Jihad-Videos hochladen, rufen die Webisten eine neue Ära aus. The Editors, n+1

Ob das Internet uns schlau macht oder dumm, ob es unser Lesen fördert oder unsere Gehirne zermatscht, darüber herrscht keine Einigkeit. Unbestritten ist jedoch die Tatsache, dass ohne das Netz nicht mehr viel geht, dass sich ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens über das Netz organisiert, sich im Netz widerspiegelt, wenn es nicht gar im Netz stattfindet. Das Netz sind wir, wir sind im Netz.

3 Iris kai judith 24.5_klein

Hinter den Kulissen: Iris Laufenberg, Leiterin des Theatertreffens, diskutiert mit den Theatertreffen-Bloggern 2010. Foto: Kim Keibel

Auch der Kulturbetrieb – Theater, Opernhäuser, Musiker, Tanzkompanien, Orchester, Künstler, Festivals – hat die digitalen Kanäle entdeckt, mit denen das Web zum „sozialen Web“ geworden ist: Facebook, Myspace und Twitter sind Plattformen, die prinzipiell jeder, der einen Internetzugang und einen Computer hat, kostenlos nutzen kann, um sich zu vernetzen, auf sich aufmerksam zu machen und sich mit anderen auszutauschen. Heute finden immer mehr Kulturdebatten online statt, allerdings nicht unbedingt auf den Webseiten der Zeitungen und Medienkonzerne, sondern eher zwischen Kulturkonsumenten und -produzenten in Communities. Diese Diskussionen sind grenzenlos. Auf Facebook können theoretisch 500 Millionen User in allen Ländern der Welt miteinander in Kontakt treten. Schon jetzt schicken sich Regisseure auf diesem Weg Links zu Videos, unterhalten sich Autoren und Journalisten miteinander über das Tagesgeschäft, schreiben Kuratoren Statusmeldungen von ihren Reisen. Die Kultur ist bereits im Netz – aber prägt sie es auch mit?

Um grenzüberschreitende, zeitgenössische Theaterdebatten im Internet bewusst zu fördern, werden für das Theatertreffen 2011 erstmals internationale Kulturblogger gesucht: Autoren, Fotografen, Videoblogger, Audioblogger, die sich mit aktuellen und gesellschaftlichen Strömungen beschäftigen und eine medial geprägte Zuschauerschaft, auch außerhalb Berlins und der deutschsprachigen Theaterszene, ansprechen. Die Blogger werden wie Journalisten akkreditiert und können wie „rasende Reporter“ eigene Schwerpunkte der Berichterstattung setzen. Damit unterstützt das Theatertreffen dezidiert neue Formen des Kulturjournalismus, stellt diese Formen mit Workshops und Seminaren aber in einen professionellen Kontext.

Das Theatertreffen widmet sich seit 2005 der Förderung junger Kulturjournalisten, seit zwei Jahren explizit der Förderung ihrer Online-Kenntnisse. Seit Beginn versteht sich das Theatertreffen-Blog journalistisch und medial als prozesshaftes, den sich wechselnden Umständen anpassendes Festivalfenster, um einerseits das klassische Feuilleton im Netz zu stärken, andererseits aber auch neue Formate der Kulturberichterstattung zu entwickeln. Dabei spielen klassische Rezensionen eine geringere Rolle ,– denn diese sind zu allen zum Theatertreffen eingeladenen Stücken schon zur Genüge vorhanden –, sondern das Blog will sich auf individuelle und innovative Weise dem Festival- und Theaterbetrieb nähern.

Inhaltlich und finanziell unterstützt wird das tt Blog 2011 erstmalig von der Rudolf Augstein Stiftung. Medienpartner sind seit 2005 die Berliner Zeitung, seit 2010 Kultiversum.

Share

Schlagworte:, , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Blogpraxis, Journalismus | Keine Kommentare »

Sortenvielfalt speichern

Mittwoch, 14. Juli 2010

Der indische Blogger Anatha Sayanan hat mir am Telefon erzählt, wie er versucht, alte Saatgüter und landwirtschaftliche Traditionen zu bewahren, die immer mehr von der industriellen Lebensmittelerzeugung und genmanipulierten Samen verdrängt werden. Das Protokoll des Gesprächs ist in der Zeitschrift Kulturaustausch erschienen, in einer Ausgabe, die sich damit beschäftigt, wie die digitalen Kulturen uns und unseren Alltag verändern:

Anantha Sayanan, geboren 1967 in Chennai, studierte Ingenieurswesen mit Schwerpunkt auf Elektronik und Kommunikation sowie Angewandte Computerwissenschaft an der Madras Universität. Danach arbeitete er in der Telekommunikationsbranche, bis er vor etwa 10 Jahren in die Schweiz zog. Vor vier Jahren kehrte er nach Chennai zurück. Mit Freunden und Aktivisten betreiben Sayanan und seine Frau einen Non-Profit-Laden für ökologisch angebaute Produkte. Sie reisen durchs Land, um sich über die Lage der indischen Landwirtschaft zu informieren. Von den Menschen, denen sie begegnen, und ihren grünen Projekten handelt Sayanas Blog ananthoosupdates.

Fünf Jahre lang habe ich in der Schweiz gelebt und in der IT-Industrie gearbeitet. Als ich vor vier Jahren zurück nach Indien ging, entschieden meine Frau und ich, etwas Sinnvolles zu tun: Ich interessierte mich für Landwirtschaft, Wasserversorgung und Bildung im ländlichen Indien, also dachte ich, ich schaue mir das vor Ort am besten selbst an. Ich gab meinen Job auf, und wir fingen an zu reisen. Seitdem leben wir von meinem Ersparten.
(weiterlesen …)

Share

Schlagworte:, , , , , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Blogpraxis, Journalismus, Technik | Keine Kommentare »

Tengo un proyecto por 15 dias

Mittwoch, 14. Juli 2010

Hyperlinks sind out, schreibt Johannes Thumfart auf Zeit Online. Ich würde dagegen setzen: Nein, sie sind in, aber nur, wenn sie einen neuen Gedanken mit sich bringen. Vielleicht ist es nicht mehr allzu angesagt, Romane zu schreiben, die sich nur durch mühsame Klick-Spaziergänge lesen lassen. Wir wollen schnelle Seiten, inhaltlich anregende, individuelle Seiten mit wenig Schnickschnack. Denn: Vor allem kommerzielle Klickgalerien sind out. Jeder, der online mit Texten arbeitet, versucht, sie möglichst zu vermeiden.

Seit einiger Zeit experimentiere ich damit, einzelne Worte und Begriffe von im Blog veröffentlichten Gedichten mit Links zu versehen. Aktuell auf einem Blog “Ich habe ein Projekt für 15 Tage” mit der argentinischen Dichterin Paz Levinson: Jeder Text, abwechselnd von einer von uns geschrieben, enthält einen Link, über den dann die nächste schreibt. Diese Verkettung von Webseiten illustriert telepathische Assoziationen, Bilder vermitteln Wege durchs Netz, eine Recherche, einen Pfad nach draußen.

Diese Webtipps, wie ich sie auch nennen könnte, sind wie kleine Geschenke, die der Leser aufmachen kann oder nicht. Hier ist der Klick nur ein Angebot, kein psychologischer Zwang. Eine weitere Dichterin aus Buenos Aires, Cecilia Pavón, sieht das ähnlich: “Poemas con links un nuevo genero” (Gedichte mit Links, ein neues Genre). Und daher verlinken wir weiter, ich im deutschen Sommer, Paz im argentinischen Winter. Welche Jahreszeit herrscht in unserem 15-Tage-Projekt? Sommerwinter oder Wintersommer? Oder die Wintersonne?

Share

Schlagworte:, , , , , , , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Literatur, Technik | Keine Kommentare »

Wo sind die bloggenden Frauen?

Montag, 7. Dezember 2009

Die Datenschutz-Expertin Anne Roth fragte sich das Ende November auf ihrem Blog annalist: Warum gelten nur männliche Blogger wie Stefan Niggemeier, Markus Beckedahl, Sascha Lobo als “Alpha-Blogger“? Wo sind die Frauen?? Fehlt ihnen der Ehrgeiz, auf Rankings aufzutauchen, widmen sie sich zu vielen diversen Themen, so dass sie sich verzetteln, ist Frauen die Aufmerksamkeit nicht so wichtig? Kommunizieren sie klein, also zu leise? Saßen sie deshalb bei der re:publica 2009, der Berliner Blogger-Konferenz, nur auf einem Panel, dessen übergreifender Titel den Schluss nahelegen konnte, Frauen bloggten nur über Babykotze? Sind sie zu schlecht vernetzt? Letzteres lässt sich leicht ändern, daher verlinke ich hier meine Erkenntnisse über Frauen im Netz. Andere Link-Listen, als Reaktion auf Anne Roths Blogpost, gibt es natürlich auch schon, nämlich hier und hier. Sozial-medial haben sich die Bloggerinnen schon vernetzt, untereinander, als Girls on the Web-Facebook-Gruppe (Join us!) und als Twitter-Liste, z.B. vom Fräulein Tessa.

Ich lese die Frauen alle sehr gerne, allerdings schreiben viele dezidiert mit feministischem Ansatz. Ist das für die Blogosphäre uninteressant? Kann ja eigentlich nicht sein, denn sie besteht auch aus lesenden Frauen. Müssten andere Themen stärker aufs Parkett? Wo sind die politischen, ökonomischen, kulturellen Bloggerinnen? Wo die Sport-Blogger? Die Theoretikerinnen? Die Online-Journalismus-Weiterdenkerinnnen? Die Investigativen? Die Globalen? Etc?

Die gute Nachricht ist: Über all das schreiben Frauen bereits, aber meist versteckt zwischen anderen Inhalten. Und selbst, wenn Bloggerinnen sich für ein bestimmtes Thema einsetzen, schreiben sie weniger mit dem Anspruch, sich auf ein Spezialistentum zu begrenzen, Meinungsführung zu geben, ihr Ego zu polieren. Sie schreiben weniger aufgeregt, weniger netzpolitisch, weniger aggressiv. Vielleicht machen sie das Netz ruhiger. Differenzierter?

Bildet euch einfach selbst eine Meinung, bringt ein bisschen Zeit mit und lest mehr Frauen! Hier ist meine subjektive Auswahl (die sehr gerne ergänzt werden kann). Achja, Frauen sind ja auch immer so krass subjektiv.

Das Gruppenblog der Mädels (plus einen Mann) von der Mädchenmannschaft (Susanne Klingner, Verena Reygers und andere) wurde 2009 für den Grimme Online Award nominiert. Ist wahrlich kein Geheimtipp, aber ein gut funktionierendes, oft heiß diskutierendes Blog. Um ähnliche Themen, aber mehr Philosophie, ein bisschen Religion, eine eher akademische Perspektive gehts bei Antje Schrupp. Ihre Webseite sieht etwas chaotisch aus, nicht abschrecken lassen. Aktueller Text “Kann eine Feministin fromm sein?” Es lohnt sich durchaus, darüber in der Vorweihnachtszeit einmal nachzudenken.

Mercedes Bunz ist nach ihren Stationen beim Berliner Stadtmagazin zitty (Chefredakteurin) und beim Tagesspiegel Online seit August 2009 beim Guardian Online in London als Technology Reporter eingestiegen. Damit ist sie auch eine der wenigen deutschsprachigen international wahrgenommenen Bloggerinnen – die Frage ist bloß, ob man sie überhaupt als Bloggerin bezeichnen kann? Eine andere redaktionell angebundene Schreiberin, Teresa Bücker, ist Social Media Managerin bei Freitag.de (bis vor einiger Zeit nannte sich ihr Job noch “Community Management”). Sie hat ein eigenes Blog zum Thema Girlism, sehr lesenswert, vor allem, wenn man sich für karierte Klamotten, Popkultur und Feminismus interessiert. Die Klassikerin unter den Netz-Schreiberinnen ist wohl Katrin Passig von der ZIA (Zentrale Intelligenz Agentur). Sie bloggt manchmal auf Riesenmaschine und verfasst eine ”Internetkolumne” im Merkur, einer gedruckten Zeitschrift, oho. Dass sie 2006 den wichtigen Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten hat, weiß jede, oder?

Auch Professorinnen bloggen, nämlich Miriam Meckel, die Freundin von Anne Will. Sie unterrichtet an der Universität St. Gallen Corporate Communication und ist dort Direktorin des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement. Ihr Blog hat seit kurzem ein schickes neues Design und bietet saisonal sogar einen Adventskalender für ihre Leserinnen und Leser. In diesem Kontext kann ich endlich meine Frage loswerden, warum es in diesem Jahr eigentlich so viele digitale Adventskalender gibt (z.B. auf radio eins, bei Drama Köln)? Ich stelle nachmittags jetzt immer ein Teelicht neben mein Laptop, das schafft auch relativ viel Stimmung, besonders, wenn sich mal eine Seite nicht so schnell lädt – wegen der Adventsdownloads.

Die einzige Bloggerin, die von der Blog-Anzeigenplatz-zu-verkaufen-Gesellschaft Adnation vermarktet wird, heißt Franziska Bluhm. Sie hat auf ihrem Blog (Franziskript) gerade die Blogger des Jahres 2009 aufgelistet. Darunter ist interessanterweise nur eine Frau, nämlich Happy Schnitzel (Susanne Reindke) mit ihrem Twitterfeed. Adnation wurde im Übrigen von Sascha Lobo, Max Winde, sowie den Spreeblick-Gründerinnen Tanja und Johnny Haeusler gerufen, Tanja Häusler bloggt hier. Das kultigste berlinische Fotolog, Stil in Berlin, macht die Fotografin Mary Scherpe – es wird auch von ZEIT ONLINE unterstützt, also: verlinkt. Über Musik, Kunst, manchmal auch über Theater, bloggt Mary auf ihrem Textblog Quite contrary. (Ich hatte mich hier vertippt und Textlblog geschrieben; und dann mal schnell gegooglet: Textlblog ist noch frei! Falls eine von euch noch einen Namen sucht…)

Zum Abschluss etwas typisch Bloggiges, nämlich Geschichten aus dem Alltag, in diesem Fall von Madame Modest. Und der Nachwuchs: Eva Lautsch, die Stadtpiratin, bloggt über ihr Jurastudium, Mode, Recht, Feminismus und viele, viele andere Dinge, z.B. Kapitalismuskritik und Bücher.

Von wegen, es gibt keine spannenden Bloggerinnen!

Postscriptum: Offline-Lesetipp Missy Magazine! Glückwunsch zum 1-Jährigen! Es wird in Hamburg von engagierten Frauen (z.B. Chris Köver) gemacht. Es liest sich in etwa so: Popkultur, Frauen, aber auch neue Familienmodelle, Vorbilder, Do-it-Yourself-Basteltipps, ökologische Turnschuhe, … Erst wenn man dann wieder ein “normales” Magazin liest, fällt einem auf, wie wenig Frauen “normalerweise” vorkommen.

Share

Schlagworte:, , , , , , , ,
Veröffentlicht in Blogpraxis | 10 Kommentare »

Das Persönliche

Freitag, 4. Dezember 2009

Schreib, schreib …
Schreib von der Unsterblichkeit der Seele,
vom Liebesleben der Nordsee-Makrele;
schreib von der neuen Hauszinssteuer,
vom letzten großen Schadenfeuer;
gib dir Mühe, arbeite alles gut aus,
schreib von dem alten Fuggerhaus;
von der Differenz zwischen Mann und Weib …
Schreib … schreib …

Schreib sachlich und schreib dir die Finger krumm:
kein Aas kümmert sich darum.

Aber:
schreibst du einmal zwanzig Zeilen
mit Klatsch – die brauchst du gar nicht zu feilen.
Nenn nur zwei Namen, und es kommen in Haufen
Leser und Leserinnen gelaufen.
“Wie ist das mit Fräulein Meier gewesen?”
Das haben dann alle Leute gelesen.
“Hat Herr Streuselkuchen mit Emma geschlafen?”
Das lesen Portiers, und das lesen Grafen.
“Woher bezieht Stadtrat Mulps seine Gelder?
Das schreib – und dein Ruhm hallt durch Felder und Wälder.

Die Sache? Interessiert in Paris und in Bentschen
keinen Menschen.
Dieweil, lieber Freund, zu jeder Frist
die Hauptsache das Persönliche ist.

Kurt Tucholsky (1890-1935), erschienen unter dem Pseudonym Theobald Tiger in Die Weltbühne, 23.06.1931, Nr. 25, S. 928. Via lyrikmail.

(Kurt Tucholsky wäre bestimmt auch ein guter Blogger gewesen. Und er hätte Fräulein Meier einfach ein eigenes persönliches Blog gebastelt. Er selbst wäre als reimender Onliner in die Annalen eingegangen. Ja, wo sind sie denn, die reimenden Blogger?)

Share

Schlagworte:, , , ,
Veröffentlicht in Literatur | 3 Kommentare »

Blogs sind keine journalistischen Produkte?

Samstag, 14. November 2009
DJV Presseausweis

... teilte mir der Journalistenverband Berlin-Brandenburg mit.

Ich glaubte bisher immer, der Kampf zwischen Journalisten und Bloggern sei ein herbeigeredeter und in Wirklichkeit näherten sich die Glaubensbekenntnisse beider Berufsbilder immer weiter an. Denn sogar FAZ-Redakteure bloggen, Alpha-Blogger erhalten wichtige Medienpreise wie im Oktober etwa Stefan Niggemeier den Hans Bausch Mediapreis des SWR (frühere Preisträger: Elke Heidenreich, Harald Schmidt, Frank Schirrmacher, Wolfram Weimer). Hier ein Auszug aus der Jurybegründung:

Als Medienkritiker stellt er hohe Ansprüche an die Medien, über die er schreibt. Er stellt diese Ansprüche aber genauso an sich selbst und überträgt sie so auf das Medium, in dem er schreibt. Damit überführt er die journalistischen Tugenden der ‚alten‘ Medien in das neue Medium Internet und trägt wesentlich zur Etablierung journalistischer Standards im Netz bei. Er richtet sich nach den Tugenden, die für jeden Journalisten gelten – egal ob er für Zeitung, Radio, Fernsehen oder das Internet arbeitet: Er prüft die Fakten, auch dort, wo sie von anderen vielleicht ungeprüft übernommen wurden. Er recherchiert gründlich und wahrt Distanz.

Gründlich recherchieren, dazu gehört heute auch das Internet mit seinen vielen verschiedenen Quellen (ich meine nicht Google und Wikipedia). Zeitgemäße Journalistenschulen wie die DJS München bilden bereits ihre Zöglinge auch darin aus, “das Internet mit seinen neuen Anwendungen” (damit ist wohl Social Media gemeint) als “praktisches Recherchetool” zu verwenden. Die BBC veröffentlichte gar alle Tweets über die Demonstrationen in Iran als schnelle, ungeprüfte Nachrichten – die dann von Journalisten vor Ort verifiziert wurden und, sobald sie bestätigt waren, ein Wahrheits-Häkchen bekamen. Offline und online gehen immer mehr zusammen. Dachte ich.

Aber nein, der Journalistenverband Berlin-Brandenburg belehrte mich eines Besseren und behauptete mir gegenüber klipp und klar, Blogs seien keine journalistischen Produkte. Nun frage ich mich: Was macht denn journalistische Produkte aus, was Blogs nicht haben? Unabhängigkeit, Recherche, Meinungsbildung und -freiheit, Spezialisierung, Themenkonzepte, redaktionelle Planung… All das findet sich auch in Blogs. Natürlich nicht in allen, aber das Differenzieren und Nachfragen ist ja auch eine journalistische Tugend.

Dass der Journalistenverband es sich leisten kann, so zu pauschalisieren, ist peinlich, unjournalistisch und realitätsfern. Ich gebe dem Verband noch eine Chance und bitte um eine Definition für “journalistische Produkte”. Das tue ich schriftlich, denn dann kann ich wieder so ein schönes Foto machen.

Share

Schlagworte:, , , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Blogpraxis, Journalismus | 4 Kommentare »

Startschuss in Duisburg

Samstag, 3. Oktober 2009
Mobiles Internet 1

Die Wand des Lehmbruck Museums (Zentrum für Internationale Skulptur) in Duisburg...

Mobiles Internet 2

... trägt ein 2-D-Grafitti zum Thema "mobiles Fernsehen und Internet".

Wie schön ist Duisburg! Besonders angetan hat es mir dieser Alt-BRD-Charme von “der preiswerte mediterrane Grieche” über den Bierkeller “Schacht 4/8″ zum “Bauchspeck-Steak” in der Fußgängerzone. Die erste Konferenz zu Kulturmarketing und Web 2.0, die eben dort am 24. und 25.9. stattfand, die startconference, wurde gerade sogar als Trendmarke 2009 nominiert, herzlichen Glückwunsch. Der Ruhrpott kommt. Viele waren dort: Kommunikationsabteilungsleiterinnen, Journalisten, Media Futuristen, Web Zweinuller, Theatermacher, Studenten, Masseure. Mir ist vor allem aufgefallen, wie groß das Interesse ist, Kultur anders zu kommunizieren. Sehr hilfreich für Anfänger ist übrigens das Vorab-Blog der Konferenz als erste Einführung ins Thema mit Beiträgen von Karin Janner.

Was gibts Gutes?

Am besten lernt man von anderen: (weiterlesen …)

Share

Schlagworte:, , , , , , , , , , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Kulturmarketing | Keine Kommentare »

Warum ein Internet-Manifest?

Mittwoch, 9. September 2009

Ein Manifest zu schreiben, heißt, seine Meinung in klaren Punkten kundtun, heißt, zur Gegenmeinung auffordern, heißt, laut um inhaltliche Aufmerksamkeit buhlen, ist auch Aufforderung zur Aktion. Am 7. September haben 15 einflussreiche deutsche Bloggerinnen und Blogger ein Internet-Manifest veröffentlicht. (weiterlesen …)

Share

Schlagworte:, , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Journalismus | Keine Kommentare »

Einmal um den Block

Mittwoch, 9. September 2009

Wenn ich einmal um meinen Häuserblock laufe, lesen sich die Graffitis, Plakate, Tags auf den Wänden wie ein Kurzkommentar zu all dem, was Blogs heute können und tun: Meinung äußern, Informationen senden, Unterhaltung bieten, Menschen miteinander in Beziehung setzen. Weltweit. Iranische Blogger lassen sich nicht den Mund verbieten, in Deutschland entsteht eine Bürgerplattform für engagierte lokale Hilfsprojekte. Obamas Wahlkampfteam mobilisierte regionale Akteure, vor allem über ihre Vernetzung im Web. Aber nicht nur Politiker nutzen die interaktiven Möglichkeiten von Blog, Twitter, Youtube und co. Sogar Lyriker bloggen. Und jeder kann es tun: über das, was auf der Straße, bei der Arbeit, auf einer Demo, in der Freizeit, bei Konferenzen und auf Festivals passiert.

Poster- und Street-Art Impressionen von Wand zu Wand, unterlegt mit einem Berlin-Song der Indierockband Nördliche Gärten erzählen davon, was man so auf ein Blog schreiben könnte.

Share

Schlagworte:, , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Blogtheorie | 1 Kommentar »