Artikel-Schlagworte: „Alan Mills“

Kadaverchen

Montag, 8. November 2010

Der mexikanische Autor Carlos Vicente Castro erzählte mir, dass in seinem Land zum Dia de los Muertos/Tag der Toten diversen Personen des öffentlichen Interesses gereimte Nachrufe, so genannte Calaveritas, geschrieben werden, in denen sie an einer ihrer Charaktereigenschaften sterben. Zum Monat der Toten, dem November, habe ich mich nun auch an Nachrufen versucht, die ich Kadaverchen nenne (korrekt wäre: Schädelchen). Allerdings landen meine ausgewählten Freunde in Zwischenreichen, in anderen Realitäten… übersetzt ins Falschspanisch.

rery, la poeta anarchista que rie sin morir

wenn rery keine rauchen kann,
verkleidet sie sich gern als mann.
der bart ist freiheit, anarchie,
der tod, der findet sie so nie.

cuando rery no puede fumar,
se disfrace en hombre con barba,
para ella significa libertad y anarchy,
la muerte no le va encontrar nunca así..

carlos, el guadalajero con blog secreto

eines tages gelangte er in china
in einen raum voller maskuliner melodia
noch heute weiß nur er, was es dort gab,
das geheimnis nimmt er mit ins grab.

un dia carlos visitaba en china
una habitacion con musica masculina.
solo el sabe que pasó en sus vacaciones,
sobrevivi un blog de estas expediciones.

alan, el maya-hacker polylingual

mit alan kannst du auf zeitreise gehen
er weiß, welche kreise die sterne drehen
seine essays sind die kinder von cyber&ninja,
er selbst verschwindet täglich im land der maya.

con alan puedes viajar en el tiempo, bella,
puedes mirar a las galacticas y un estrella.
sus ensayos son los ninos de cyber&ninja,
el mismo desaparece cada dia en el país maya.

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Maskierte Winkekatzen

Montag, 23. August 2010

Vor einigen Jahren besuchte ich eine bolivianische Familie und wollte Postkarten nach Hause schreiben. Ich saß auf dem Bett, denn einen Schreibtisch gab es nur im Elternschlafzimmer, vollgestellt mit Kosmetik und Parfumflakons, ein anderer, mit Computer, stand im Wohnzimmer, dort konnte ich mich nicht konzentrieren, dort war das Zentrum der Familie. Also balancierte ich die Postkarten auf meinen Knien, Adressbuch daneben und versuchte mit Kuli einige Zeilen festzuhalten. Das war fast unmöglich, denn immer wieder kamen Familienmitglieder zu mir und fragte mich, ob ich mich nicht zu ihnen setzen wolle. Ich könne da doch nicht so alleine sein. Für sie war es unverständlich, warum ich mich absonderte in einem abgedunkelten Raum und schweigen wollte. (weiterlesen …)

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Tengo un proyecto por 15 dias

Mittwoch, 14. Juli 2010

Hyperlinks sind out, schreibt Johannes Thumfart auf Zeit Online. Ich würde dagegen setzen: Nein, sie sind in, aber nur, wenn sie einen neuen Gedanken mit sich bringen. Vielleicht ist es nicht mehr allzu angesagt, Romane zu schreiben, die sich nur durch mühsame Klick-Spaziergänge lesen lassen. Wir wollen schnelle Seiten, inhaltlich anregende, individuelle Seiten mit wenig Schnickschnack. Denn: Vor allem kommerzielle Klickgalerien sind out. Jeder, der online mit Texten arbeitet, versucht, sie möglichst zu vermeiden.

Seit einiger Zeit experimentiere ich damit, einzelne Worte und Begriffe von im Blog veröffentlichten Gedichten mit Links zu versehen. Aktuell auf einem Blog “Ich habe ein Projekt für 15 Tage” mit der argentinischen Dichterin Paz Levinson: Jeder Text, abwechselnd von einer von uns geschrieben, enthält einen Link, über den dann die nächste schreibt. Diese Verkettung von Webseiten illustriert telepathische Assoziationen, Bilder vermitteln Wege durchs Netz, eine Recherche, einen Pfad nach draußen.

Diese Webtipps, wie ich sie auch nennen könnte, sind wie kleine Geschenke, die der Leser aufmachen kann oder nicht. Hier ist der Klick nur ein Angebot, kein psychologischer Zwang. Eine weitere Dichterin aus Buenos Aires, Cecilia Pavón, sieht das ähnlich: “Poemas con links un nuevo genero” (Gedichte mit Links, ein neues Genre). Und daher verlinken wir weiter, ich im deutschen Sommer, Paz im argentinischen Winter. Welche Jahreszeit herrscht in unserem 15-Tage-Projekt? Sommerwinter oder Wintersommer? Oder die Wintersonne?

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