Artikel-Schlagworte: „2010“

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Mittwoch, 29. Dezember 2010

die decke nimmt dir keiner weg, du liegst
geschützt auf sieben matratzen, softskinprincess.
wie haben dich die jahre gerändert, jetzt
kocht dein kopf vor allem regionale speisen, hackt
kükenragout und lässt taten die tage begatten.
du glaubst, der goldene oktober schmückt sich nur für dich,
die einsam feierliche nachsaison, in der du deine sinne schärfst:
wörter effektiv benutzen, grimmsche schleifen winden
fürs geschenkpapier der sprache. ein prosperierender verein,
in 500 jahren von 300.000 zu vier millionen, aktive
wie passive mitglieder. alles ist im werden.

mit verben schlafen wir ein, mit dem lippenstift im mund.
dein finger und mein finger berühren sich wie michelangelos.

die krisen sperren wir aus, die energiefragen haben schon längst
die multis geklärt, die kostbaren erden kauft china.

dieser und drei andere neue texte erscheinen im nächsten poet-mag, nr. 10. ich freue mich! hier der link zur aktuellen nr. 9.

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Internationale Kulturblogger gesucht!

Montag, 13. Dezember 2010

Auch für das Theatertreffen 2011 werden wieder theaterinteressierte, webaffine Schreiberinnen und Schreiber unter 35 Jahren gesucht. Infos zur Bewerbung (Bewerbungsschluss 31. Januar 2011).

Von Anfang an, und nicht gerade unbeeinflusst durch den Enthusiasmus seiner Fans, wirkte das Internet weniger wie eine Technologie sondern eher wie eine soziale Bewegung – wie der Kommunismus, Feminismus und Rock’n’Roll. Eine Ideologie, die wir Webismus nennen könnten. Während wir anderen Kinoanfangszeiten nachschlagen, Pullis kaufen und Jihad-Videos hochladen, rufen die Webisten eine neue Ära aus. The Editors, n+1

Ob das Internet uns schlau macht oder dumm, ob es unser Lesen fördert oder unsere Gehirne zermatscht, darüber herrscht keine Einigkeit. Unbestritten ist jedoch die Tatsache, dass ohne das Netz nicht mehr viel geht, dass sich ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens über das Netz organisiert, sich im Netz widerspiegelt, wenn es nicht gar im Netz stattfindet. Das Netz sind wir, wir sind im Netz.

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Hinter den Kulissen: Iris Laufenberg, Leiterin des Theatertreffens, diskutiert mit den Theatertreffen-Bloggern 2010. Foto: Kim Keibel

Auch der Kulturbetrieb – Theater, Opernhäuser, Musiker, Tanzkompanien, Orchester, Künstler, Festivals – hat die digitalen Kanäle entdeckt, mit denen das Web zum „sozialen Web“ geworden ist: Facebook, Myspace und Twitter sind Plattformen, die prinzipiell jeder, der einen Internetzugang und einen Computer hat, kostenlos nutzen kann, um sich zu vernetzen, auf sich aufmerksam zu machen und sich mit anderen auszutauschen. Heute finden immer mehr Kulturdebatten online statt, allerdings nicht unbedingt auf den Webseiten der Zeitungen und Medienkonzerne, sondern eher zwischen Kulturkonsumenten und -produzenten in Communities. Diese Diskussionen sind grenzenlos. Auf Facebook können theoretisch 500 Millionen User in allen Ländern der Welt miteinander in Kontakt treten. Schon jetzt schicken sich Regisseure auf diesem Weg Links zu Videos, unterhalten sich Autoren und Journalisten miteinander über das Tagesgeschäft, schreiben Kuratoren Statusmeldungen von ihren Reisen. Die Kultur ist bereits im Netz – aber prägt sie es auch mit?

Um grenzüberschreitende, zeitgenössische Theaterdebatten im Internet bewusst zu fördern, werden für das Theatertreffen 2011 erstmals internationale Kulturblogger gesucht: Autoren, Fotografen, Videoblogger, Audioblogger, die sich mit aktuellen und gesellschaftlichen Strömungen beschäftigen und eine medial geprägte Zuschauerschaft, auch außerhalb Berlins und der deutschsprachigen Theaterszene, ansprechen. Die Blogger werden wie Journalisten akkreditiert und können wie „rasende Reporter“ eigene Schwerpunkte der Berichterstattung setzen. Damit unterstützt das Theatertreffen dezidiert neue Formen des Kulturjournalismus, stellt diese Formen mit Workshops und Seminaren aber in einen professionellen Kontext.

Das Theatertreffen widmet sich seit 2005 der Förderung junger Kulturjournalisten, seit zwei Jahren explizit der Förderung ihrer Online-Kenntnisse. Seit Beginn versteht sich das Theatertreffen-Blog journalistisch und medial als prozesshaftes, den sich wechselnden Umständen anpassendes Festivalfenster, um einerseits das klassische Feuilleton im Netz zu stärken, andererseits aber auch neue Formate der Kulturberichterstattung zu entwickeln. Dabei spielen klassische Rezensionen eine geringere Rolle ,– denn diese sind zu allen zum Theatertreffen eingeladenen Stücken schon zur Genüge vorhanden –, sondern das Blog will sich auf individuelle und innovative Weise dem Festival- und Theaterbetrieb nähern.

Inhaltlich und finanziell unterstützt wird das tt Blog 2011 erstmalig von der Rudolf Augstein Stiftung. Medienpartner sind seit 2005 die Berliner Zeitung, seit 2010 Kultiversum.

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Lösch dein Feuer nicht!

Donnerstag, 15. April 2010

In Brasilien ist alles anders: Überall liebt man in Südamerika die Cumbia, eine Art Schlagermusik, in Brasilien liebt man Tecno Brega. Überall werden Gesetze von oben herab entworfen, in Brasilien schreiben die Bürger online an einem neuen Internetgesetz. Ronaldo Lemos, brasilianischer Netz-, Creative-Commons-Experte und Regierungsberater in Internetdingen, zeigte  in seinem Vortrag auf der Berliner Blogger-Konferenz re:publica, wie Free Culture in Brasil funktioniert:

Er veranschaulichte anhand der Entwicklung des brasilianischen Tecno Brega-Markts, wie sich der Kult für Technologie auf Soundsystem-Parties in einen starken Musikwirtschaftszweig entwickelt. Die DJs produzieren ihre eigenen CDs, für 30 Dollar in einem Aufnahmestudio und geben sie dann, ohne an den Einnahmen beteiligt zu werden, an die Straßenverkäufer weiter. Dort werden diese simplen CDs – ohne großartige Cover oder Booklets  – billig unter das Volk gebracht. Natürlich verkaufen auch die Künstler direkt: Dann aber teurer und mit interessanten Grafiken, mit Designs und Extras. Der DJ verdient an seiner billigen CD erst dann, wenn sie dazu führt, dass Investoren ihm Parties organisieren. Die Investoren verdienen an den Eintrittskarten.

Dieses mehrgleisige, vielmediale Geschäftsmodell führt, so Lemos, zu einer schnellen Anpassung an neue – auch digitale – Strukturen. Die beliebteste brasilianische Gruppe ist Calypso, ein “Produkt dieser Szene.” Ähnliche Szenen gäbe es natürlich auch in anderen “globalen Peripherien”, so etwa Bubblin’ (Surinam), Kwaito (Südafrika), Coupe decalé (Elfenbeinküste) oder Cumbia Villera (Argentinien), welche heute vor allem direkt übers Handy per Bluetooth heruntergeladen, der Straßenverkäufer ist dort, so Lemos, schon fast weggefallen.

Brasilien selbst passt sich derzeit auch sehr schnell an digitale Strukturen an, der Entwurf des neuen Internet-Gesetzes (Marco Civil da Internet) wird in 2 Phasen à 45 Tagen mit den Bürgern online diskutiert. In der ersten Phase erhielt gingen 800 Kommentare mit Vorschlägen ein, die in einem Entwurf verarbeitet wurden. Dieser ist seit dem 8. April 2010 online. Die zweite Phase dient nun der Diskussion des Entwurfes – der dann schlussendlich ganz klassisch vom Parlament diskutiert und verabschiedet werden soll.

Sagen wir es mit ein bisschen Cumbia: Lösch dein Feuer nicht!

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