Archiv für die Kategorie „Literatur“

Digitalverlage und eBookreihen

Freitag, 14. Februar 2014

Für seine Session “eBook only. Digitalverlage und eBook-Reihen” beim eBook-Camp München 2014, das am 15. Februar 2014 stattfindet, hat mir Jan Karsten von CULTurBooks einige Fragen zu meinem Digitalverlag mikrotext gestellt:

Jan Karsten: eBooks werden bisher von Literaturbetrieb und Lesern vor allem als bloßes Duplikat des Printbuches wahrgenommen. Dies ist langsam dabei, sich zu verändern, etablierte Printverlage und eine wachsende Anzahl von neuen Digitalverlagen experimentieren mit Formaten und Inhalten. Wie bist du “auf das eBook gekommen”, wie entstand die Idee für einen eigenen Digitalverlag und wie würdest du die Ausrichtung deines Verlags beschreiben (literarisch, experimentell, unterhaltend…)?
Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit der Digitalisierung von Texten, literarischen Texten im Netz: als Germanistikstudentin habe ich 2001 eines der ersten deutschsprachigen Literaturonlinemagazine, die schriftstelle, gegründet, dann war ich länger Online-Redakteurin und Blog-Konzepterin. Und als Autorin kenne ich viele andere Autorinnen und Autoren, und weiß, dass vieles Gutes auf traditionellem Wege nicht veröffentlicht wird. 2012, als die Verlagsidee in mir aufkam und ich mir den Ebookmarkt in Großbritannien, Argentinien, Schweden mit einem Stipendium des British Council genauer anschauen konnte, war mir klar: Ich muss meine Textliebe und meine Netzliebe zusammenführen. Weg von Blogs, hin zu Ebooks. mikrotext veröffentlicht zeitgemäße Literaturen, essayistisch-journalistisch und literarisch. Für einige sind etwa Facebook-Statusmeldungen oder Spam Poetry, die bei mikrotext erscheinen, die Avantgarde, ich sehe das nicht so, für mich ist es die Gegenwart.

Cover und ePub-Produktion bei mikrotext: Andrea Nienhaus

Wo siehst du die Stärken des neuen Mediums eBook? Und wie versuchst du, diese zu nutzen? Experimentierst du mit speziellen Formen und Formaten?
Stärken: Prinzipiell globaler Vertrieb möglich, schnelle Produktion (da kein Druck), schnelle Auslieferung (per Mausklick), variable Länge.
mikrotext ist ein Verlag für kurze Lektüren (15-60 MS-Seiten), die in dieser Länge wahrscheinlich nicht gedruckt würden. Ebenso reagiert der Verlag mit seinem Vierteljahresprogramm auf aktuelle Debatten – etwa mit dem Winterprogramm zur NSA-Überwachungsaffäre mit “Mein Brief an die NSA” des Huffington Post Redakteurs Sebastian Christ und “Ungesichertes Gelände” der Übersetzerin und Autorin Isabel Fargo Cole. Es gibt keine Jahresverlagsplanung, sondern eher spontane Produktionen, meist ausgelöst von Diskussionen mit Autoren und Autorinnen in social media oder bei Veranstaltungen. Da ich als Verlegerin 90% meiner Tageslektüre online vollbringe, sind für mich Schreibformate, die im Netz entstanden sind, genuiner literarischer Teil des mikrotext-Programms, derzeit etwa 50 Prozent. Mit zwei englischsprachigen Titeln (Zeegen, Saeed) im Programm versuche ich, auch grenzübergreifend Verlag zu sein.

Wie siehst du die Zukunft deines digitalen Publizierens?
Weitermachen! Ausprobieren! Schneller sein als die großen Schiffe! Ein stolzes Mitglied der neuen Ebookszene sein! Und natürlich: erfolgreich sein.

Sind für dich die politischen Fragen rund ums eBook ein Thema? Stichworte unterschiedlicher Steuersatz, unterschiedliche Behandlung bei VG-Wort, keine Übersetzerförderung?
Auf jeden Fall. Bei der Übersetzerförderung ändert sich bestimmt bald etwas. Wir sind in einer Umbruchsphase. Auch der unterschiedliche Steuersatz ist schon in der Politik angekommen und wird verstärkt angegangen, siehe den Vorstoß von Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Wo siehst du die größten Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der rein digitalen Texte und Produkte auf dem Markt und bei den Lesern?
Viel zu viele Reader auf dem Markt, keine gute Interoperabilität, zu viele geschlossene Shopsysteme, daher Ebook-Feindlichkeit bei Lesern. Und oft sorgen auch Ebook-feindliche Buchhändler, Verlage und Presse für schlechte Lobby.

Aus aktuellen Anlass noch eine weitere Frage: Immer mal wieder hört man massive Vorwürfe gegen das eBook: Diese seien “ein Unfug, ein Beschiss und ein Niedergang”, würden also mindestens das Abendland vernichten und sollten möglichst schnell wieder verschwinden. Was entgegnen Ihr solchen Kritikern?
Erstmal ein Ebook lesen. Dann reden wir weiter. Ich habe mit mikrotext-Ebooks schon Ebook-Feinde konvertiert!

Vielen Dank!
Gerne! Und viel Spaß beim eBook-Camp!

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schriftstelle is back!

Dienstag, 20. November 2012

Es war einmal mein Online-Literaturmag, das ich schriftstelle nannte. Es lebte zwischen 2001 und 2003, programmiert und designt von ein paar Freunden, welche ihre unabhängige Musikwebseite bubblehouse betrieben.

Die schriftstelle war ein alternativer Buchreport, der asynchron die Verlagsvorschauen las, sie nach Themen filterte, die etwa hießen “Gefangen”, “Provinz” oder “Kinder”. Es gab Rezensionen über neue Bücher von Jonathan Franzen, Anne Carson oder Daniel Falb, Rezensenten wie Tobias Lehmkuhl oder Mark-Georg Dehrmann, Interviews zum Beispiel mit Georg Klein, Tilman Rammstedt oder Thomas Böhm und Leseproben von Björn Kuhligk, Natasza Goerke oder Monika Rinck. Jedem Thema näherte sich die schriftstelle mit Original-Essays, Webtipps und Fotogalerien. Und es gab sogar eine Kommentarfunktion!

Jetzt ist die schriftstelle wieder da. Als Blog. Und mit vielen neuen Funktionen. Und erstmal nur einer Autorin. Und mit alten (vor Ort, Essay, Kritik) sowie neuen Kategorien (Ebooks, Buchhandel, Verlage, Literaturblogging).

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Atlas Projectos using Google Books

Donnerstag, 15. November 2012

Faksimile der ersten Seite der nur englischsprachigen Wiederauflage mit dem Titel “English as she is spoke” von 1883.

Der englischsprachige Berlin Independents’ Guide Bpigs hat heute mit einer Serie von Interviews angefangen, den “Book Hook Spotlights”, die verschiedene Kunstverlagsprojekte der Stadt vorstellen. Super Idee! Redakteurin und Künstlerin Rachel Simkover sprach mit Atlas Projectos, einem Projekt von drei portugiesischen Designern und Künstlenr: André Romão, Gonçalo Sena und Nuno da Luz. Ihr erfolgreichstes (ausverkauftes) Buch, so erzählen sie im Interview, war die Wiederauflage eines Textes aus dem Jahre 1853, den sie auf dem Plattencover einer New Yorker-Band entdeckt hatten und den sie dann im Netz als PDF über Google Books, eingestellt von verschiedenen US-amerikanischen und britischen Bibliotheken wiederfanden. Das Buch war sehr verbreitet mit dem Titel “English as She is Spoke, or: A Jest in Sober Ernest” (neu herausgegeben 1883, u.a. mit einer Einführung von Mark Twain), aber nicht als zweisprachige Ausgabe. Sie veröffentlichten das unfreiwillig witzige Buch, das als Sprachführer gedacht war, aber voller Übersetzungsfehler steckt, wieder auf Englisch und Portugiesisch, unter dem originären Titel “The New Guide of the Conversation on Portuguese and English” (2010). Toll, dass es broken English auch schon im 19. Jahrhundert gab, oder?

Die Lissabonner erweisen sich im Gespräch als dialogische Verleger, wenn ich sie denn mal so nennen darf. Auf die Frage, warum das Verlegen heutzutage noch wichtig ist, sagen sie:

It is about circulation. Even if we’re talking about a very small audience, it’s mostly engendering a process of exchange and feedback.

Jeder Schritt beim Buchmachen hat mit anderen Menschen und Berufen zu tun, mit Autoren, Künstlern, Übersetzern, Designern, Typographen, Herstellern, Buchbindern, Druckern, Epub-Programmierern, Buchhändlern, Facebook-Freunden, Lesungsortbesitzern, Verkäufern, Lesern etc.  So verbreitet sich schon im unfertigen Stadium das Buch als eine Idee, die kollektiv entwickelt und beendet wird.

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Aus dem Buchhandelsleiden wird gerade niemand klug

Mittwoch, 14. November 2012

Endlich. Die sich ändernde Rolle des Buchhandels in Zeiten digitaler Bücher wird – verhandelt. Und zwar mit einer Kolumne des Börsenblatt-Chefredakteurs Torsten Casimir – im Börsenblatt. Online. Er ahnt “unordentliche Verhältnisse”, wenn die Arbeitsteiligkeit zurückgenommen wird, wenn also der Autor, etwa der selbstpublizierende, nun auch sein eigener Verlag und Auslieferer wird. Casimir befürchtet weiterhin ein “kaum sichtbares Risiko”, wenn das Buch nicht mehr vom Buchhändler vermittelt wird. Aber weiß er nicht, dass das Buch heute schon von Amazon-Algorythmen und -Rezensenten mehr besser als schlechter vermittelt wird? Dass Berliner Startups wie das schwedische Readmill oder das deutsche Readgeek Lesercommunities aufbauen wollen, die sich gegenseitig auf Bücher hinweisen, wahrscheinlich freundschaftlicher und passgenauer, als jeder Buchhändler es könnte? Das Netz kümmert sich nicht so richtig um die, nennen wir sie mal, physischen Kontaktstellen.

Da passiert dann das Folgende, nämlich dass sich der Buchgroßhändler Libri

mit seinem elektronischen wie auch physischen Buchangebot auf eBook.de an dieselbe Endkundschaft richtet wie der Bucheinzelhandel, (Casimir)

und damit seinen eigenen Kunden Konkurrenz macht. Wie gemein. Darf der das? Ja, er darf.

“It’s not a revolution when nobody loses”, schrieb der New Yorker Medientheoretiker Clay Shirky schon 2008 in seinem Buch “Here comes everybody”: Verlierer sind ihm nach die Arbeiter in den Industriezweigen der Verlagsindustrie, die Journalisten und diejenigen, die darunter leiden, wenn böse Menschen die neuen Veröffentlichungswege nutzen. Laut Shirky ist es also eine zwingende Folge der Medienrevolution, dass sich Arbeitsprozesse, also auch -teilungen neu organisieren.

Das bedeutet: Der klassische Sortimentsbuchhandel verändert sich und leidet; und er muss sich von innen heraus verändern. Dazu lese ich leider viel zu selten etwas im Börsenblatt. Fast täglich wird allerdings von dort vermeldet (Börsenblatt-Newsletter), dass sich die Buchhandelsketten mit Non-Books (Schürzen, Spiele, Stifte) neu aufstellen wollen. Buchhändler, kommt aus dem Knick! Probiert euch aus! Ich bin mir so sicher, dass die Leser keine Non-Books wollen, sondern Bücher, digitale und gedruckte. Arbeitet als Laden mit selbstpublizierten Autoren eurer Nachbarschaft zusammen, die ihr über die Orte-Suche bei Twitter findet, diskutiert als Buchhändlerinnen über neue Bücher auf Facebook, stellt eure Lieblings-Ebooks auf eure Webseite. Zum Beispiel. Mehr Ideen, bitte!

Aktualisiert am 15. November:

Börsenblatt-Ideen für den nächsten Buchhandel: eine Metadatenbank, die die Buchhändler differenziert, je nach Kontext, nutzen können, und ein neuer Ausschuss für Ecommerce und Ebooks. Vielleicht kamen meine Unkenrufe zu früh.

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Wenn Hunde bellen

Sonntag, 11. November 2012

Gestern feierte der Open Mike seinen 20. Geburtstag im Heimathafen Neukölln. “Geschlossene Gesellschaft” war auf einen DinA-4-Zettel, der an der Eingangstür zum großen Theatersaal hing, mit Filzstift geschrieben. Es ist schade, dass der Wettbewerb, der seit Jahren immer mehr Publikum anzieht und daher in den vergangenen Jahren mehrmals seinen Schauplatz vergrößern musste (Villa am Majakowskiring, Wabe, Zwischenstopp in der Schokofabrik, Heimathafen), nicht auch mit diesem Publikum feiern wollte, das zum ersten Lesungstag wieder in Scharen gekommen war. Also blieb der Saal erstmal halbleer, bis die – sicherlich zum Großteil in Neukölln wohnenden – befreundeten Jungautoren per SMS informiert worden waren, dass die Party zwar spröde, die Getränke aber kostenlos waren. Da wurde es voller, Poetengruppen standen vor der Tür und rauchten, ich lachte mit dem Lyrikpreisträger 2011 über das Wort BioZisch, lernte von Shane Anderson, dass Blogs in den USA tot seien, außer solche mit genialen Namen wie Brightstupidconfetti (Zitat von Sylvia Plath), in den USA gehe es jetzt ums Live-Twittern. Aber das muss uns in Deutschland ja nicht kümmern.

Ich habe gestern nur die letzten drei Lesungen gehört, sitzend vor der Open-Mike-der-Blogger-Ecke (Victor Kümel, Stefan Mesch, Elena Philipp, Fabian Thomas), deren Tastaturklacken den passenden Schreib-Soundtrack unter alle Texte legte. Ich war wegen Verena Güntner gekommen, die ich kenne, ohne ihre Texte bisher gekannt zu haben – und ich muss hier sagen: Ihr Romanausschnitt “Es bringen” bringts. Ein 16-Jähriger Ich-Erzähler in einer Hochhaussiedlung, dessen Motto “Ich bin der Trainer. Ich bin die Mannschaft” lautet, der Fickwetten gewinnt, aber dem es warm im Bauch wird, wenn er mit seiner Mutter, die die gleiche Zahnlücke hat wie er, im Flur pfeift: “Wir müssen beim Supertalent mitmachen, echt jetzt”. Sätze, die echt klingen, Figuren voller beschissenem Leben. Und endlich keine betuliche Selbstbeschauprosa. Keine bellenden Hunde. Und echtes Pathos. Dieses Manuskript will ich ganz lesen. Ansonsten wurde mir beim Empfang der Name von Yevgenij Breyger zugeflüstert. Heute Abend wissen wir mehr. Bis dahin muss die Jury zuhören – und schweigen, was für Marcel Beyer, diesjähriger Juror, das schwierigste ist (hier das Interview auf dem Open-Mike-Blog).

Wie es sich für Geburtstage gehört, lief eine mit Dudelmusik untermalte Fotoslideshow (hier online), zusammengestellt von gezett, dem Hausfotografen der Literaturwerkstatt, im Großformat über die Bühnenleinwand. Alle staunten und schwiegen ob der jungen Gesichter von annodazumals: Uwe Kolbe, Thomas Wohlfahrt, Tilman Rammstedt, Björn Kuhligk, Kirsten Fuchs. Schon süß. Die Urgesteine aus dem ersten Open-Mike-Jahrgang 1993, Lektor Thorsten Arendt (Wallstein) und die Gewinnerautorin Katrin Röggla durften dann noch ein wenig reminiszieren und fragten sich, inwiefern Bergbaumetaphern auf den Wettbewerb zuträfen oder ob es auch einen W.G.Sebald (beim Bachmannwettbewerb 1990 übersehen) des Open Mike gäbe.

Was sich meiner Meinung nach geändert hat, ist die over all Dankbarkeit, überhaupt teilgenommen zu haben. Denn “Finalistin beim Open Mike” ist seit einigen Jahren ein verbreiteter Biographiezusatz. Das war zu meiner Zeit (2000) nicht so, aber da gabs ja auch noch keine Anthologie, keine Gewinner-Lesereisen, keine Workshops. Dankbarkeit ist ja auch erstmal was Schönes und ein so anerkannter Wettbewerb für junge Literatur auch. Glückwunsch an dieser Stelle! Aber es gibt ja noch viel mehr Wege, um mit seinen Texten zu landen, ohne sich gleich dem Literturbetrieb in seiner Totalität und seinem sadomasochistischen Zuhörergeist aussetzen zu müssen, etwa Lesebühnen, Werkstätten wie Parlandopark oder lauter niemand in Berlin. Oder ein privater Schreibkreis. (Macht das überhaupt noch jemand?) Da wird auch mehr über die Texte gesprochen, einfach weil mehr Zeit ist.

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Der Zustand der deutschsprachigen Literaturblogosphäre

Freitag, 9. November 2012

Man muss doch Johannes Schneider dankbar sein! Er hat heute im Tagesspiegel über die Literaturblogosphäre geschrieben, der Aufhänger ist der Berliner Nachwuchsvorlesewettbewerb Open Mike, der in diesen Tagen zum 20. Mal stattfindet und sich dazu zum ersten Mal ein Blog leistet. Als ob dat was janz Neuet wäre. Und auf einmal wird Literaturbloggen ein Thema in diesem Land. Sollte man auch dem Open Mike dankbar sein? Wir werden sehen.

Natürlich kann man Johannes die Hildesheimisierung vorwerfen, weil der einzige deutschsprachige Blogger, den er erwähnt, ein Hildesheimkollege ist: Stefan Mesch, der mir bisher vor allem über seinen Twitterkanal @ebookreport aufgefallen ist. Und der jetzt als “embedded blogger” vom Open Mike berichten wird. Ich denke, das bekommt er gut hin – ist doch das Open-Mike-Blog jetzt schon ein Stefan-Mesch-Blog, bei dem er sich von Freunden interviewen lässt und lässig-lange Beiträge mit Leselisten verfasst. Merke: Listen gehen gut im Netz. (Daher hab ich auch meine Blogrolls überarbeitet). Die andere Bloggerin, die Johannes nennt, ist die wirklich höchst lesenswerte und seit Jahren aktive Übersetzerin/Vielleserin Katy Derbyshire mit Love German Books. Gut, viele sind das nicht.

Daher regen sich nun die Ungenannten auf, z.B. Katja auf Writeaboutsomething oder Gregor Keuschnig in dem dortigen Kommentarbereich (er bloggt hier) und Gesine von Prickwitz’ Interviewreihe mit bibliophilen Bloggern Steglitzmind wird von Tagesspiegelkommentaren erwähnt. Womit man mal wieder sieht, wie gut das Web 2.0 funktioniert, wenn wir es mal dialogisch nutzen und wenn es eine THESE gibt. Ich zumindest hatte in den vergangenen Jahren immer den Eindruck, dass es zwar viele Blogs über Bücher und Leseerfahrungen existieren, aber wenige, die sich wirklich einem ästhetischen Themenschwerpunkt oder aktuellen Betriebsfragen widmen. Die eigene Debatten im Netz beginnen, die dann von anderen Blogs aufgenommen werden. Es kann doch nicht sein, dass wir nun auf Debatten reagieren, wenn sie von den Zeitungsverlagen angestoßen werden…

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Die Rückkehr der Ehrlichkeit

Freitag, 9. November 2012

So heißt ein Artikel der Journalistin Christine Truong über ein Gedicht des “Kafka der iphone-Generation” Tao Lin. Der New Yorker Autor schreibt seit vielen Jahren auf seinem Blog heheheheheheheeheheheehehe, ist Herausgeber des 2008 gegründeten Online-Literaturmagazins Muumuu House, wo er unter anderem die Twitter-Feeds oder Gmail-Chats befreundeter Autoren in Auswahl herausgibt.

Er hört sich so an, als ob er einen Virus nicht loswürde, der ihn dazu zwingt, nur auf sich zu hören, denn es geht immer um sein kleines Ich, das sich fürchtet, alleine ist, arbeitet oder nicht, das die Welt in Fetzen wahrnimmt und Wahrnehmungsfetzen gleich wieder zurückspeit. Jede Metapher, die er benutzt, ist ein direkter Anschluss an die Realität, zumindest an seinen Gefühlshaushalt. Ironie, tschüss, Sarkasmus, adé. Hier ist einer, der sich selbst wieder glaubt. Nur sich selbst. Ehrlichkeit mit sich selbst ist für ihn ein Wert, eine Haltung. Man könnte glauben, dass einer, der so um sich selbst kreist, langweilig wird, larmoyant und anstrengend (Heul doch zu Hause!), aber nein, seine Twitterschreibe, schnell rausgehauen, aphoristisch und versucht nah, macht süchtig, weil sie poetisch ist, klug und verrückt, und für jeden in ihrer Absurdität verständlich. Wir alle sind so. Nur können wir nicht so schnell schalten wie er. Etwa hier, Tweetauswahl der letzten Tage:

facebook & twitter are insane
watching a video of myself eating a giant bowl of noodles in 2008
felt confused thinking about elephants, thought ‘are elephants…obese?’
earnestly believed i was ‘the devil’ last night in a manner that seems bleak thought about texting someone ‘what if i’m really the devil, lol’ & felt kind of afraid (copyright: twitter.com/tao_lin)

Einer, der es schafft, ein neues Akronym zu erfinden, das “ufsi” (unfit for social interaction) heißt, hat auf jeden Fall verstanden, was von ihm erwartet wird und was er für sich schützen muss. Dabei spielt Tao Lin mit diesem Paradox, dass er einerseits vor dem Daten- und Beeinflussungsstrom untertauchen will, dass er aber gleichzeitig, um sich zu behaupten, ein Dauerfeuer abschießt, über alle Kanäle, die ihm zur Verfügung stehen. Dass er den Kontakt zwar verweigert, aber ständig Kontaktmöglichkeiten anbietet. Das führt zu Melancholie, die schon immer ein guter Schreibmotor war.

2009 ist bei Dumont Tao Lins erster Roman mit dem blöden Titel “Gute Laune” erschienen, der im Original “Eeeee Eee Eeee” hieß, seitdem versuchte sich kein deutschsprachiger Verlag mehr mit seinen Werken. Weil es niemanden interessiert? Eher weil alle ihn auf Englisch lesen wollen, die ihn auf Englisch lesen können. Denn so scheint er uns noch näher.

PS: Frei nach seiner Analyse der Zukunft des Romans wäre Tao Lins Romanstil gut mit “The Novel of Distraction” bezeichnet.

PPS: Ich kann nicht aufhören, an diesem Text weiterzuschreiben, ich habe das Gefühl, ich habe viele wichtige Dinge noch gar nicht gesagt.

PPPS: Ist es wichtig, dass Tao Lin 1983 geboren wurde?

PPPPS: Heute morgen konnte ich mich nicht zwischen Buttercroissant, Schokocroissant und Nußnougatcroissant entscheiden. Ich habe dann alle drei gekauft.

PPPPPS: Ich würde gerne wie Tao Lin schreiben!!!

PPPPPPS: Ich werde nie wie Tao Lin schreiben…

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Amazon kennt mich

Donnerstag, 8. November 2012


Aaah, Amazon kennt mich so gut wie nur ich mich selbst,daher habe ich nun eine Mail mit Leseempfehlungen bekommen, die an erster Stelle mein erstes, selbstpubliziertes Ebook “Mein Freund und der Papst” (siehe Bild) anbietet. Die Mail aus dem Hause Amazon trug so gar den gleichen Titel wie mein Buch. Wie absurd ist das denn bitte? Interessanterweise ist mir das mit meinen, auch bei Amazon erhältlichen Papierbüchern noch nie passiert. Nun frage ich mich, ob es daran liegt, dass ich meine Ebookseite so oft besucht habe, weil ich nach neuen Leserkommentaren Ausschau hielt? Oder ist die Mail eine Werbemail, die auch an andere User so herausgeht – macht Amazon also kostenlos Werbung für mich? Das müsste ich in ein paar Tagen wissen, wenn ich sehe, ob die Verkäufe zugenommen haben. Im Moment habe ich 4,55 Euro an “Tantiemen”, wie es in den Verkaufsberichten von Kindle Direct Publishing heißt, eingenommen.

Oder ist diese Mail ein ironischer Kommentar des Ebookwesens auf den analogen Buchdruck? Denn dort ist es ja mehr als häufig so, dass Autoren ihre eigenen Bücher stapelweise kaufen, um sie zu verschenken oder mit anderen Autoren zu tauschen. Nur geht das Verschenken von Ebooks halt noch nicht so richtig – nimmt man social-gifting-Plattformen wie Wrapp einmal aus, die ja, so kritisiert es Jürgen Vielmeier auf Basicthinking, voraussetzen, dass ich mich über ein soziales Netzwerk etwa Facebook anmelde. Dadurch wird das Schenken von einer privaten, persönlichen Handlung zu einer quasiöffentlichen, weil meine Geschenkhandlung natürlich mit dem sozialen Netzwerk verknüpft wird. Dass meine Geschenktat von einem Algorythmus ausgewertet wird, ist ebenso offensichtlich.

Eigentlich kann ich froh sein, dass Amazon mich gar nicht kennt. Denn natürlich würde ich nie mein eigenes Ebook kaufen. Ich habs ja schon. Und kann die Datei so oft und kostenlos verschicken, wie ich will. Ganz ohne Amazon.

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Ein Brief von Bismarck

Samstag, 3. November 2012

Schon wieder eine Buchmesse! Diesmal eine für alte Bücher, Handschriften (z.B. Briefe von Bismarck oder Clemens Brentanto) und Landkarten. Ich habe auch heute zum ersten Mal die Handschrift von Friedrich I. (energisch, schwungvolles S) und Friedrich III. (fette Tinte, schulmeisterlich) gesehen. Anders als auf den Buchmessen für neue Bücher gilt hier: Eintritt frei, aber Verkauf erlaubt. Die Liber Berlin, eine Antiquariatsmesse, findet gerade zum zehnten Mal statt, diesmal im Kulturforum Berlin am Matthäikirchplatz. Ich musste erstmal googlen, wo denn der Matthäikirchplatz liegt, da ich vermutete, irgendwo in Charlottenburg. Aber nein, das ist der charmante Platz neben der Nationalgalerie, den sich die Backsteinkirche, die der Platz seinen Namen gab und in der 1931 Dietrich Bonhoeffer zum Pfarrer ordiniert wurde, und ein Parkplatz teilen, und der einst ein zentraler Platz im so genannten Geheimratsviertel Mitte des 19. Jahrhunderts war. Damit ist das Konzept der Messe, das sich auf der Webseite nachlesen lässt, bei mir schonmal super aufgegangen:

Stets war und ist es das Konzept der LiberBerlin, die Antiquariatsmesse mit dem öffentlichen Leben und der Geschichte zu verbinden. Gründet doch in den Turbulenzen der Gegenwart das Sammeln antiquarischer Bücher, Graphiken und Handschriften letztlich in dem Wunsch einer ganz persönlichen Rezeption geschichtlicher Prozesse.

Die Jahre vorher trafen sich die Antiquariate mit deutschsprachigem Schwerpunkt etwa im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums  oder im Zeichensaal der provisorischen Schinkelakademie am Werderschen Markt, Orte des Stein gewordenen oder Stein werdenden Berliner Geschichtsbewusstsein (die Akademie muss ja noch für einige Milliönchen wieder aufgebaut werden).

Chur Fürstl. Resi. St. Berlin. v. Cöln. Kupferstich (von 2 Platten) von Casp. Merian, Frankfurt, Merian, 1652ff. Bildausschnitt 23,5 x 71, Blattgr. 33,5 x 75,5 cm. (c) Antiquariat Clemens Paulusch

Die Geschichte ist also das Grundthema der Liber Berlin. Gleich am Eingang bietet ein Antiquariat Stiche von Feldherren (Napoleon) feil. Wer Johann von Österreich ist, muss ich nachher mal googlen. Alle Arschlöcher, sagt mein Begleiter. Aber es gibt auch Lokalpatriotisches, hübsche Stadtansichten, etwa eine ein Meter lange Karte aus den 1650er Jahren, auf der ich mich, weil ich mir die tolle Berlin-775-Jubliäumsausstellung “Mittelalterliche Orte” im Netz angeschaut habe, recht gut zurecht finde. Links Berlin, rechts Cölln, ich kombiniere: Panorama von Norden. Wenn ich die 1450 Euro in Bar mitgehabt hätte, ich wäre jetzt Besitzerin der ältesten gedruckten Gesamtansicht Berlins und Cöllns, gekooft von Antiquariat Clemens Paulusch. Naja, nächstes Mal bin ich besser vorbereitet.

Liegt es an dem historischen Überbau, dass diese Messe vor allem ältere Menschen – mit Geld – anzieht? Sie tragen gute Lederschuhe, Tweedjackets und Understatement. Dabei ist da auch einiges für jüngere Menschen dabei: historische Kinderbücher (um die 200 Euro vom Duisburger Antiquariat Keune), ein Chanelkatalog mit der jungen Claudia Schiffer auf dem Cover oder die Partitur von Paul Hindemiths Singspiel “Wir bauen eine Stadt” (1930), in dem Kinder eine Stadt ohne Erwachsene bauen (habe dazu einen interessanten Blogeintrag gefunden, der Kontext herstellt). Wer will aber das notizbuchdicke Programmheft des Nürnberger Reichsparteitags 1938 mit der Marschierabfolge der SA kaufen?

Diese Messe ist ein Museum-zum-Durchblättern. Sie bittet um Hochachtung für sehr viel durch die Zeit gerettetes und kostbares Papier.

 

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Kilos, ungelesen

Dienstag, 16. Oktober 2012

Nun ist sie vorbei, die Frankfurter Buchmesserei, und ich habe mir wieder mehrere Kilo von Leib gelaufen, dafür aber auch wieder mehrere Kilo Literaturbeilagen mit nach Hause gebracht. Nach all diesem Hin und Her könnte ich jetzt gut eine Maschine gebrauchen, die das Gewicht der Beilagen ausrechnet und in daraus erwünschte Bücher umwandelt. Dann hätte ich jetzt:

- die Cantos von Ezra Pound in neuer Übersetzung von Eva Hesse und kommentiert von Heinz Ickstädt und Manfred Pfister, bibelschwer

- Indigo von Clemens Setz, weil alles, was ich dazu lese, mich immer neugieriger macht, ein klarer und seltener Fall: feuilletonüberzeugt

- Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse von Thomas Meyer, erschienen im Zürcher Salis Verlag, geschrieben in einem deutsch-jiddischen Kauderwelsch, scharmant

- Wolf Haas’ neues Buch Die Verteidigung der Missionarsstellung, aus dem er in einem Gespräch mit Ernst A. Grandits am 3-Sat-Stand auswendig vortrug, rezitierend (er kann 30 min. seiner Bücher auswendig)

Es werden zu viele Kilos…. Denn da sind auch noch die neuen Bücher von Tilman Rammstedt (“Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“), der überlebensgroß am Dumont-Stand hing, und von Nora Bossong (“Gesellschaft mit beschränkter Haftung“), die die schönsten Kleider des Literaturbetriebs trägt, außerdem möchte ich endlich ein Buch des alten Herrn Ernst Augustin haben. Und Margarete hat mich in ihrem taz-Messeblog ganz neugierig auf Bambi von Felix Salten gemacht. Mit Ronald, Redakteur bei den Literaturen, teile ich das César Aira-Fantum, dabei fiel mir ein, dass ich gerne mal wieder etwas von ihm lesen würde, nicht nur dieses Interview hier. Eigentlich könnte ich mich nach einer Messe in eine Lesehöhle vergraben und bis zur nächsten Messe nicht mehr rauskommen.

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Platz 6 mit Humor

Dienstag, 9. Oktober 2012

Inspiriert von Johnny Häuslers erfolgreichem und wirklich lesbarem Selbstexperiment, einfach mal ein Ebook zu produzieren und zu schauen, was passiert (ok, so einfach ist es nicht, man muss schon alle seine Freunde und Bekannte zuspammen), hab ich gestern eine meiner Kurzgeschichten auf Amazon angeboten. Und vorher mit Basis-Designwissen ein trashiges Cover aus einem Urlaubsfoto gebastelt. Gestern fanden das zwar viele auf Facebook toll, aber ich verkaufte nur zwei Exemplare.

Heute bin ich auf dieses windige Amazon-Angebot angegangen, das Buch 90 Tage exklusiv nur bei ihnen anzubieten und es in das Ausleihprogramm mit aufnehmen zu lassen. Das funktioniert meines Wissens erst in den USA, und ich kann als Autorin nichts verdienen, wenn mein Buch ausgeliehen wird. Aber: Ich kann Anteile am Amazon-Fonds erwerben, der sich pro Monat auf 600.000 und bis Ende 2012 auf 6 Millionen Dollar beruft. Ich glaube kaum, dass jemand in den USA mein Buch ausleihen wird, außer vielleicht irgendwelche christlichen Fundamentalisten deutscher Abstammung, die denken, ich habe über die Pilgerreise meines Freundes in den Vatikan geschrieben. Gut an diesem Angebot ist aber, dass ich das Buch fünf Tage lang kostenlos anbieten kann. Und siehe da: Nach einem Tag plus Twitterei, Facebookerei und Mailerei finde ich es in der Rubrik “Humor” auf Platz 6. Die heruntergeladenen Exemplare wurden immer dann mehr, wenn ich  auf den kostenlosen Download hingewisen habe. Ohne digitalen Wirbel gehts also nicht. Und der ist ganz schön nervenaufreibend. Klick hier, klick da, hier was checken, da was aktualisieren… Puh. Insgesamt hab ich 101 Exemplare verschenkt.

Nun frage ich mich natürlich, was passieren wird, wenn ich das Buch auf einmal wieder kostenpflichtig anbiete. Rutsche ich dann aus der Gratis-Bestsellerliste heraus? Oder automatisch in die Bezahl-Bestsellerliste?

Da ich mir nicht sicher war, ob in meinem Leser- und Bekanntenkreis überhaupt Kindle-Bücher heruntergeladen werden (können), ob also überhaupt die Geräte- und Techniklage es erlaubt, bin ich nun belehrt worden. Ja, es wird gemacht. Und ich könnte mir vorstellen, dass, wenn ich einen anderen Shop benutzt hätte, es auch funktioniert hätte.

Nachtrag: 22 Uhr, die Schnapszahl 44 zeigt den Papst bei den Top 100 in der Groß-Rubrik “Belletristik”:

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Mein erstes selbstpubliziertes Buch

Samstag, 6. Oktober 2012

Ist eine kurze Kurzgeschichte, die “Mein Freund und der Papst” heißt. Sie ist seit gestern über Amazon als Ebook zu erwerben, eventuell stelle ich sie auch noch in anderen digitalen Shops hinein. Allerdings ist sie wirklich sehr kurz, nur ein paar Word-Seiten, und ich wollte einfach mal sehen, wie schwierig es ist, selbst zu publizieren. Es ist einfach! Schwierig war nur, die richtigen Kategorien auszusuchen. Ich habe die Geschichte in den Rubriken “Belletristik: Kurzgeschichte” und “Belletristik: Humor” kategorisiert, es wäre auch “Religion” oder “Erotik” in Frage gekommen. Bisher hat sich ein Exemplar verkauft, ich habe also ein paar Cent verdient. Aber leider bekomme ich meine Tantiemen erst überwiesen, wenn sie mehr als 10 Euro betragen.

Also, KAUFT!!

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Die Selbstverleger: ein Sachtext

Donnerstag, 27. September 2012

Die Verlagswelt wirkte auf ihn wie ein exklusiver Club, von dem er schon viel gehört habe. Die Türsteher aber ließen nur sehr selten jemanden nach völlig undurchschaubaren Kriterien hinein. Man selbst warte und warte, bis man eines Tages die Hintertür entdecke. Die unbewacht sei. Dies sei die Tür des Selfpublishings.

So kurzweilig unprätenziös kann wohl nur ein US-amerikanischer Autor von seinem Scheitern am klassischen Literaturbetrieb seines Landes erzählen, und zwar auf der Londoner Konferenz “Writing in a digital age“, organisiert von der Literary Consultancy. Rob Kroese hat mehrere “witzig-apokalyptische” Romane, in denen es “um Engel geht, aber auch um Explosionen”, im Selbstverlag veröffentlicht, zunächst gedruckt, dann aber digital über Amazon. Sie verkauften sich recht gut, u.a. weil Kroese den Preis sukzessiv um einen Dollar herabsenkte und weil er bereits gut mit Humor-Blogs vernetzt war (er hatte eine Art Humor-Blog-Liste im Netz angelegt, denen er sein Buch zur Besprechung anbot). Nun hat ihn der Amazon Verlag – ja, Amazon hat jetzt auch einen eigenen Verlag – unter Vertrag genommen.

Damit ist Kroese einer von vielen Selfpublishing-Stars im englisch-amerikanischen Bereich, von den deutschen Erfolgsautoren etwa Matthias Matting, Jonas Winner (100.000 Exemplare in einem knappen Jahr), Michael Linnemann, Emily Boyd, die Petra Cronenberg auf Leander Wattigs Blog erwähnt, habe ich selbst noch nichts gelesen, was aber nichts heißen soll.

Um einen eigenen Eindruck zu bekommen, was die deutschsprachigen Leserinnen und Leser elektronisch kaufen, habe ich die Amazon Kindle Charts aufgerufen, die netterweise in kostenlose und zu bezahlende Ware unterteilt ist. (Stellen Sie sich vor, in einem Buchladen stünden kostenlose Bücher neben zu verkaufenden). Was heißt das: Der digitale Leser wird durch kostenlose Bücher gelockt, damit er wieder und wieder die Shopseite besucht und irgendwann von der kostenlosen auf die kostenpflichtige Seite wechselt. Im Unterschied zu den Bestsellerlisten in Büchermagazinen gibt Amazon allerdings die Verlage, in denen die Bücher erschienen sind, nicht an. Auch sind auf den kleinen Vorschaubildern der Cover die jeweiligen Verlagslogos nicht zu erkennen. Daraus lässt sich schließen: Wer von hier einen Titel in seinen Warenkorb schiebt, schiebt, weil er den Titel, den Preis, eventuell auch das Coverbild attraktiv findet: “Fleisch und Blut: Thriller” (Daniel Dersch), 120 Tage in den Top 100, 2,69 Euro, also ein Fall für Krimi-Leser. Wie bei den Kitsch-Romanen, etwa “Plötzlich verliebt” (Petra Röder), 36 Tage in den Top 100, für 2,99 Euro, ist die Ansprache und die Ansage klar und deutlich. Häufig taucht das Genre auch als Teil des Titels auf.

Ein auffällig anderer Verkaufsschlager in den derzeitigen Charts sind die Grimms Märchen, die der Nullpapier Verlag seit 2011 digitalisiert anbietet. Für 0,99 Cent. Sie befinden sich schon seit 455 Tagen in den Top 100. Aufbereitete, günstige Klassiker finden also ebenfalls ihren Markt. Das Buch enthält die Märchen in dialektaler und hochdeutscher Version, sowie Illustrationen. Allerdings setzt der ein-Mann-Verlag auf billig: Etwa zwanzig Klassiker hat Jürgen Schulze, seines Zeichens “einziger Angestellter, Lektor, Graphiker, Programmierer, Rechtsbeistand und Chef” bereits in seiner 0,99-Cent-Edition im Angebot. Er will, das ist deutlich, Geld mit rechtefreien Texten und alten, bereits lizenzfreien Übersetzungen machen, die sicherlich auch mit ein wenig Recherche kostenlos in der Gutenberg-Bibliothek digital zu finden sind. Kommentierte Klassiker-Editionen, gut editiert, nur ein wenig teurer, könnten ihm da Konkurrenz machen.

Ich bin sehr gespannt, was auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zum Selfpublishing zu finden und zu hören ist. Zum Thema Ebook werden mehr als 280 Veranstaltungen angeboten, das ist schon einiges. Davon wiederholen sich allerdings einige immer wieder, etwa die einstündige Werbeveranstaltung für den deutschen Ebook-Dienst epubli der Holtzbrinck Gruppe, der einen kostenlosen Ebuchservice anbietet. Nicola Morgan, Dozentin für “Publishing Studies” an der Kingston University London und Autorin des “Selfpublishing Guides” (hier ein Interview mit Tipps), hatte bereits auf der diesjährigen Buchmesse in New York beobachtet, wie das Selbstpublizieren an Fahrt aufnimmt:

Was würden Sie gerne lesen? “Verknallt in den Wirt: Provinzroman”, “Schuß in den Bauch: Krimi”, “Himmel und Hölle: Psychothriller”, “Belohnung Brautstrauß: beste Unterhaltung vor der Ehe”, ad libitum. Knaller-Ebook-Titel machen ist nicht schwer, gute Bücher dagegen sehr.

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Die nächste Literatur

Dienstag, 18. September 2012

Da hat die Kulturstiftung des Bundes mal wieder den richtigen Riecher: Sie fördert den Thinktank Litflow mit Experten, Innovationen und Austausch zur “nächsten Literatur”, so das einprägsame Schlagwort der Veranstalter Guido Graf, Thomas Klupp und Stephan Porombka. Auf dem Konferenzblog, das sich ganz literarisch “Magazin” nennt, wird seit Anfang August in die Zukunft geschaut und geschrieben: Guido Graf weiß schon, wie die Rezensionen der nächsten Literatur aussehen, Karl Wolfgang Flender gibt anhand des netzgegenwärtigen US-amerikanischen Dichters Steve Roggenbuck neun Hinweise für die nächsten Autoren, Stephan Porombka antwortet auf die Thriller-Autorin Zoë Beck und erläutert die Veränderungen, die auf Verlage und Autoren zukommen.

Ich habe da mal ganz monumental meine Recherchen zum Ebook reinfließen lassen dürfen: Sind wir bald alle auf E?

Der Thinktank ist übrigens öffentlich, er findet am 28. und 29. September im Theaterdiscounter in Berlin statt. Anmeldeadresse etc. gibts hier.

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Bit.lyrik

Freitag, 7. September 2012

Es ist möglich, mit dem Netz zu schreiben, es also als ein Schreibgerät zu verwenden. Das berühmteste Beispiel ist wohl der Poetry CreatOR, eine Java-betriebene Seite, von zwei Stanford-Studenten entwickelt, die aus Fundstücken im Netz neue Gedichte zusammenwürfelt. Die Anthologie Adventures in Form, die im englischen Indie-Verlag Penned in the Margins erschienen ist, herausgegeben vom Verleger Tom Chivers himself, versammelt die unterschiedlichsten Lyrikexperimente, darunter so englisch-exzentrische wie das der Quantentheorie verschriebene “Quantum Haiku” von Valerie Laws, das dadurch entstand, das 14 lebendigen Schafen ein Wort auf das Fell geschrieben wurde und diese Schafe sich in einer von 87 Millionen Möglichkeiten willkürlich auf einer Wiese verteilten. Ein Kapitel “Txts, Tweets and Status Updates” ist der netzunterstützten Lyrik gewidmet. Da gibts “A day on Facebook” mit aufeinanderfolgenden Statusmeldungen oder txt-Gedichte, die unter http://www.lingo2word.com/translate.php übersetzbar sind.

Ich war inspiriert und habe heute innerhalb von zehn Minuten, zwischen 15.16 und 15.26, immer dann, wenn sich die Tweets aktualisierten, aus den ersten, die auf meinem Bildschirm sichtbar waren, eine Zeile herauskopiert. Das ist das Rohmaterial, samt Urheber:

We’re extremely excited to announce: EyeEm 3.0 is here! @EyeEm
Ist es legitim, alles Öl zu fördern, das die Welt zu bieten hat? Theo über das “schmierige, schwarze Gemisch” @SPIESSER.de
To survive the coming food @Horse_ebooks
“I am not brave. I simply know what to be scared of…” @lonlygrllauren
Feuilleton macht ratlos. @bosch
Bester E-Mail-Betreff der Woche: “Herr X., es geht um Ihr Steak!” @sebaso
It’s like: we need to feed everyone, “nature” be damned. That “nature” has smth to do with our ability to feed everyone never occurs to him. @evgenymorozov
Ohne Ende alte, rechtefreie Comics zum Download bei http://digitalcomicmuseum.com/ @MuseumsHeld

Daraus habe ich das folgende, gekürzte, bearbeitete bit.ly-Gedicht gemacht. Danke an die Twitterer für ihr Material!!

feuilleton macht ratlos

wir sind aufgeregt. wir verkünden: das dritte auge
ist da. denn es ist nicht legitim, alles öl zu fördern,
das die welt zu bieten hat. spießer theo
schreibt über das schmierige schwarze gemisch. überleben.
essen kommen, auf einem digitalen pferd. so geht nicht mut,
so geht wissen, das angst macht. denn es geht um unser steak.

der natur ist es egal, die natur ist verdammt.
sie muss jedem futter geben. aber sie kann nicht. ohne ende
laden wir rechtefreie comics runter.

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Mein Weg zum Epublesen

Montag, 30. April 2012

Es begann vor etwa drei Jahren an dem Tag, an dem ich ein iphone geschenkt bekam, als Preis beim European Blogging Competition des European Journalism Centre für meine Beiträge.  Auf einmal hatte ich da einen kleinen Computer in der Hand, der mich ins Netz einloggen konnte, wenn irgendwo W-Lan vorhanden war, der fotografieren und Sounddateien speichern konnte, der aber auch eine Jukebox mit meiner Musik war – und der mich an den App-Store vermittelte. Ganz ehrlich, ich hätte mir nie eines gekauft, denn mein aktuelles Telefon funktionierte noch, ich brauchte es nur zum SMS-Schreiben und Telefonieren. Und dazu nutzte ich auch zunächst mein neues Smartphone.

Bis ein Freund mir zeigte, wie viele kostenlose Apps es doch gäbe: Damals waren etwa die Biertrink-App und die Gitarren-App total beliebt, bei der sich das Telefon in ein Bierglas oder in einen Gitarrenhals verwandelt. Die einzige App, die mich überzeugte, hieß Stanza. Ein Archiv digitaler Bücher für das Smartphone, womit ich mir eine vor allem englisch- und französischsprachige mobile Ebook-Bibliothek anlegte. Es war ein schönes Gefühl zu wissen, dass ich jederzeit, wenn ich unterwegs war, Shakespeares Dramen oder die Fabeln von Lafontaine hätte lesen können.  Nur, ich tat es nicht. Die Zeit für solche langen Werke reichte unterwegs einfach nicht. Und der Akku reichte auch nicht. Das einzige kürzere, deutschsprachige Werk bei Stanza war die Novelle “Der Tod in Venedig” von Thomas Mann. Diese passte genau in eine Zugfahrt von Frankfurt nach Berlin. Ich war so absorbiert von der Erzählung, dass ich ganz regelmäßig über das Display wischte, immer wieder eine Seite umblätterte, wie in einem “echten” Buch. Es war Lesen wie immer, nur auf einer kleineren Seite, mit weniger Gewicht und Leselampen-frei. Es war gut, und ich wollte mehr davon.

Leider fiel mir irgendwann mein iphone runter, das Glas-Display zersplitterte. Es war zwar noch zu benutzen, aber ich musste die wackeligen Stücke unter einer durchsichtigen Folie arretieren. Lesen machte damit nun gar keinen Spaß mehr. Nachdem schließlich auch der Menüknopf seinen Geist aufgab, musste ein neues Telefon her.

Und leider gingen meine gesammelte Stanzawerke dadurch verloren, dass sie sich nicht synchronisieren ließen. Aber ich konnte mir ein Telefon ohne digitale Bibliothek nicht mehr vorstellen. Mühsam suchte ich mir über ibooks erneut ein paar Klassiker der Weltliteratur zusammen, aber viel war da nicht drin, was in die Richtung einer Thomas-Mann-Novelle ging. Das meiste waren lange, englischsprachige Texte. Endlich mal wieder den viktorianischen Ästhetik-Klassiker Walter Pater’s The Renaissance. Studies in Art and Poetry lesen. Ein Zitat markieren. Und dann wieder weglegen.

Was blieb mir anderes übrig, als ein paar Eurocents auszugeben. Ich kaufte “I live by the river” von Johnny Häusler und den “Weltmüller” von Frank Fischer. Beides las ich in einem Rutsch durch, denn beide Bücher funktionieren perfekt als elektronische Lektüre. Sie sind in Etappen aufgebaut – 15 Geschichten, bzw. 3 Novellen mit kurzen Unterkapiteln. Sie sind witzig erzählt und behandeln zeitgenössische Phänomene, von der Anschaffung eines Hundes bei Häusler zu ironischer Parodierung des Kulturbetriebs bei Müller. Der Sukulturverlag verlangte 6,99 für 124 Seiten; Johnny Häusler für ein etwa 25 Prozent längeres Werk nur 0,99 Euro. Häuslers geringerer Preis erklärt sich dadurch, dass er sein Buch aus ehemaligen Blog-Texten zusammengebaut hat und dass er es als Testballon in die Selfpublishing-Sphären entsendet. Der Sukulturverlag hat ein wenig mehr in das Design des Printbuches (Cover, Schrift “Superspitzeprimatoll”) investiert, so dass diese Kosten sicherlich auch auf die elektronische Version umgelegt wurden.

Kurz: Wenn es solche Bücher gibt, werde ich in Zukunft mehr Epublesen.

Nachtrag im Juli 2013: Ende Januar 2013 habe ich meinen eigenen Digitalverlag mikrotext gegründet, der sich auf kurze Ebooks spezialisiert hat. short digital reading, erhältlich bei Amazon, iTunes, aber auch im Buchhandel und vielen, vielen anderen Ebook-Shops. Mit Titeln u.a. von Alexander Kluge, dem “syrischen Bukowski” Aboud Saeed, Franzobel, Jan Kuhlbrodt und Thomas Palzer. 

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Superdemokratisches Ebook

Donnerstag, 1. Dezember 2011

LSD in Guadalajara, Mexiko. Hinter dem Banner: Carlos Velazquez, Rery Maldonado und ich. Foto: Swantje Lichtenstein

Pünktlich zur Superdemokraticos-Präsentation im Rahmen des deutschen Gastlandauftrittes auf der mexikanischen Buchmesse in Guadalajara gibt es unsere Best-of-Kollektion als spanischsprachiges Ebook zum Gratis-Download. Wer das Buch auf Deutsch lesen möchte, bekommt es über den Verbrecher Verlag.

Wer lieber wild liest, dem sei das Original-Blog ans Herz und auf die Maustaste gelegt, mehr als 400 zweisprachige Essays von über 50 deutschen und lateinamerikanischen Autorinnen und Autoren, darunter Nora Bossong, Ann Cotten, René Hamann, Monika Rinck, Sabine Scho, Jo Schneider oder Deniz Utlu. (Nachtrag: Bis September 2012 wurde das Buch 162mal heruntergeladen).

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El mecanismo de estar acá

Sonntag, 16. Oktober 2011

tapa anthologie flyer

Wir glauben, dass Worten Taten folgen müssen.
Wir glauben an literarischen Aktivismus.

Es gibt Leute, die gehen rückwärts mit Sonnenbrille, andere fliegen vorwärts ohne Reservierung im Langstreckenflugzeug. Es gibt Flaneure, Verkleidete, Angeber, Bescheidene, Individualisten und Kollektivisten. Sie verbrauchen keine Erd-Ressourcen, um ihre Perspektiven zu verschieben, sondern tragen ein kleines Kraftwerk in sich, ein poetisches Licht, das auf andere abfärbt. Es sind Leute, die bewegen können, ohne sich selbst zu viel zu bewegen. Die Orte, an denen man sie findet, sind Bars, die länger als 23 Uhr geöffnet sind, Cafés mit Bühne und Klavier, Kneipen mit gutem und billigem Bier, in denen man rauchen kann, leerstehende Häuser, Privatwohnungen, kleine Büros oder digitale Räume im Netz. Diese Leute besetzen eine Lücke, damit das Leere sich füllt. Mit Gedichten, Liedern, Performances, Kurzgeschichten, mit Nachdenken, Austausch und Unterhaltung. Bühnen, Lesetische, Zeitschriften sind die Institutionen ihrer freischwebenden Nation. Auf ihrem Pass steht: Literarischer Aktivist. Im Einsatz für Ästhetik, Explosionen, Befreiung des Gefühls und Stärkung des Selbst. Ihre Profession: Lyrikerin oder Lyriker.

Am Mittwoch, den 19. Oktober um 20 Uhr stellen Los Superdemokraticos in der Kulturspelunke Rumbalotte continua (Metzer Str. 9) die Lyrik-Anthologie “El mecanismo de estar acá” vor. Sie erscheint bei Milena Berlín. Eintritt frei.

In der Anthologie sind Gedichte von 11 literarischen Aktivistinnen und Aktivisten in Berlin versammelt. Die meisten von ihnen sind nicht nur Organisatoren für den guten literarischen Zweck, sondern auch veröffentlichte Dichterinnen und Dichter. Die Übersetzungen ins Spanische stammen von Rery Maldonado. Das Buch ist das Gastgeschenk von Los Superdemokraticos auf unserem Trip Latino im November und Dezember nach Venezuela, Kolumbien, Bolivien und Mexiko.

Mit Texten von Adrijana Bohocki, Alexander Gumz, Annina Luzie Schmid, Bert Papenfuß, Clemens Kuhnert, Daniela Seel, Deniz Utlu, Isabella Vogel, Kristoffer Patrick Cornils, Rainer Stolz und Tom Bresemann. Spezialgast: Rocío Ceron (Mexiko D. F.).

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Sind Juristen die neuen Kritiker,

Mittwoch, 10. August 2011

die entscheiden, was hinreichend fiktionalisiert ist? Fragte ich mich anhand der Zunahme von Klagen gegen Verlage bezüglich der Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Aktueller Fall: Weil “eine Person” ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sah, wird der Roman “Das Da-Da-Da-Sein” von Maik Brüggemeyer, Rolling-Stone-Redakteur, das eigentlich jüngst im Aufbau Verlag erscheinen sollte, jetzt nochmal überarbeitet. Natürlich vom Autor selbst, aber sicherlich auch mit juristischer Beratung im Hintergrund. Zum Glück bleibt er optimistisch und zukunftsgerichtet. Ein schlaues Zitat aus unserem Gespräch, das ich nicht in dem Tagesspiegel-Artikel verwendet habe, passt viel besser hierher, aufs Blog

Vielleicht hat man mit Ebooks bald die Chance, mehr mit dem Persönlichkeitsrecht zu spielen. Ohne den Druck ist es einfacher und billiger, etwas zu ändern.

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wiederholung ist die mutter des augenblicks

Freitag, 15. Juli 2011

die zeit ist vorbei, in der ich ein
vorortsgebiet aus autohäusern war.
nun gedeiht mein innerer bauernhof,
auf dem herrenlose, glückliche tiere leben. nachts
streunt ein fuchs über meine wimpern, schüchtern,
bis die sonne aufgeht, diese alte, kalte bekannte,
die mich nie verraten würde. wir singen zusammen:
dibidibi dib. dibidibidib. die wiederholung
ist die mutter des augenblicks.

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