Archiv für die Kategorie „Journalismus“

Hot Jazz

Donnerstag, 21. Juli 2011

Ich lernte die Old Fish Jazz Band eher zufällig kennen, als ich vor zwei Jahren mit René Hamann in der Hubertuslounge auf ein Bier saß und sie dann natürlich furios jedes Gespräch beendeten und dafür aber viele Unterschenkel zu zucken begannen. Die mehrköpfige Gruppe spielt noch immer, vor allem in Kreuzberg und Neukölln, auch mit anderen zusammen, die Szene ist groß, verbreitet gute Launen und gute alte Musik. Mein Porträt der Musiker samt vieler Konzerttermine im Juli las sich so im Tagesspiegel. Sehe gerade, dass die Termine online fehlen, daher hier nochmal als kleiner Service:

22. Juli, Les Haferflocken Swingers (zusammen mit Old Fish), Bassy Club, Schönhauser Allee 176
23. Juli, Les Haferflocken Swingers (zusammen mit Old Fish), Yorckschlösschen, Yorckstraße 15
25. Juli, Jessy Carolina & The Hot Mess, Bassy Club
27. Juli, Feral Foster, 21.30 Uhr, Soul Cat
30. Juli, Jessy Carolina & The Hot Mess, Soul Cat

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Dritte Generation

Freitag, 15. Juli 2011

Überschlugen sich zwanzig Jahre nach Mauerfall die Gedenkfeiern zu 1989 macht nun eine jüngere Generation auf sich aufmerksam, die die “Wende” als Chance begreifen will: diejenige, die in der DDR geboren wurde, aber in der BRD aufwuchs; die ein Land verlor, als ein neues zu ihnen kam; die nicht mehr schweigen will, wenn sie gefragt wird, wo sie herkommt. Um sich über diese Transformationserfahrungen auszutauschen, haben unter anderem Adriana Lettrari, Stephanie Maiwald und Johannes Staemmler eine Konferenz organisiert “Dritte Generation Ostdeutschlands”, hier das Blog dazu. Ich sprach mit ihnen über ihre Haltungen, Wünsche, Forderungen für den Tagesspiegel. Im nächsten Jahr soll es übrigens die Folgeveranstaltung geben: Wessis tauschen sich über ihre Wendeerfahrungen aus.

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Simplest thing

Dienstag, 28. Juni 2011

Ich habe mich im überdachten Innenhof neben einem zwanghaft plätschernden Indoor-Brunnen eines Riesenhotels in Neukölln mit dem indonesischen Objekttheatermacher PMtoh, mit richtigem Namen: Agus Nur Amal, getroffen, der im Rahmen des ersten Jakarta-Berlin Art-Festival auftritt. Während sich um uns herum immer mehr wallende Roben versammelten (zwei Abibälle), wurde sein Kaffee kalt und er zeigte mir mit Löffeln, wie er mit Gegenständen spricht. Dass ein Objekt zu einem anderen wird, nennt er “imaginative transformation”. Er steht in der Tradition des Geschichtenerzählers, Dalang, hat die Rolle aber modernisiert und stark vereinfacht. Er verzichtet auf die rituellen Elemente und kommt mit wenigen Mitteln aus: Objekte seiner Umgebung und seine Stimme. Mein Porträt über ihn erschien im Tagesspiegel. Ein interessantes Blog des US-Amerikaners Matthew Cohen, der sieben Jahre in Indonesien gelebt hat und nun Puppenspiel am Center for Creative Collaboration, London, unterrichtet, enthält viel Hintergrundmaterial zu diesen interkulturellen Theaterformen des Erzählens. PMtoh erzählt allerdings keine mythologischen Geschichten, sondern aktuelle, wie etwa den Anschlag auf das World Trade Center, festgehalten im Film “Promised Paradise“. Er will sehen, wie sich Communities zu Ereignissen verhalten.

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Monotasking

Freitag, 10. Juni 2011

Ich wollte heute nochmal auf den Kulturpolitischen Bundeskongress gehen, der sich jedes Jahr serielle Titel gibt: ” X Macht Kultur”. Aber dann hab ich nur ein bisschen Twitter gelesen, weil ich so müde war.

2011 also ein Netz für ein X. Und ein Wlan im Konferenzraum, das nur hinter vorgehaltener Hand von den Hildesheim-Studierenden-Twitterern verraten wurde, die sich im Foyer um die Twitterwand in eine Art Steh-Halbkreis gebaut hatten und von dort aus die Twitter-Kommandozentrale bildeten. Der Hashtag war #kupoge, das Passwort weitaus sprechender für den katholischen Konferenzort. Es hieß: OMariaHilf!, mit Ausrufezeichen, ja, aber es hat trotzdem nicht funktioniert, lieber Gottvater, weil ich alles in Versalien schrieb. Die Tücken stecken im Detail.

Ist es also so, dass kulturpolitische Menschen und Politiker allgemein deshalb eher netz-fern sind, weil sie so oft vom Netz abgeschnitten sind, auch ungewollt? Man erfährt beim Podiumsgespräch einiger Mitglieder der Enquete-Kommission für die digitale Gesellschaft, dass im Plenarsaal des Bundestags Computer verboten sind, neulich hat jemand eine Rede vom ipad abgelesen, das war eine Revolution – und wohl auch Schleichwerbung. Man erfährt widerum, dass Oliver Scheytt, Prof. für Kulturpolitik in Hamburg, eine halbe Stunde pro Woche online ist, das twittert Arne Busse (@amprekord). Mir blieben nach dem ersten Tag mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen einige Worte im Ohr, wie die wunderschön altmodisch klingenden “Digitalisate”, von denen Kulturstaatsminister Bernd Neumann spricht. So stellt er sich also die Digitalisierung von Kultur vor: Abbildungen im Netz, Faksimiles von Büchern, Derivate, Kondensate, Europeanasate; kein Wort darüber, dass man vielleicht “andere Inhalte” braucht. Die Kosten für diese Re-Abbildungen können dann auch gerne Unternehmen tragen, wie etwa die Bayerische Staatsbibliothek, die nun mit Google zusammenarbeit, erläutert Neumann.

Die zwei großen Fragen, die sich bei mir weitertragen, sind:

  • die Aufmerksamkeitskrankheiten, die das Netz mit sich bringt, und die einen völlig anderen Umgang mit Kunst bedingen. Statt Versenkung vor einem Werk auf einem Altar in einem Kunstpalast gibts die Versendung, den Remix, das Sample des produsers. Statt des “Kunstspiels” (Gerhard Schulze), in welchem die Bildungsbürger sich in Gesprächen über Kultur ihres eigenen distinguierten Status’ versichern, gibts Game Art, Bastard Pop oder “culture of insignificance” für alle Nischen. Statt ästhetischer Urteile äußert man Erlebnis- und Gefühlsurteile (“Das ist super”, “Gefällt mir”.) Und das lässt sich als eine Rekompensation des digital Abwesenden verstehen: “Das Virtuelle drängt zum Physischen hin”, erkennt Gerhard Schulze: Beispiele sind die “Arabellion” in Nordafrika, Partnersuchportale und der Boom von Live-Konzerten. Problematisch wird es dann, wenn die Erlebnisse – im und außerhalb des Netzes -  uns überrollen. Wie schaffen wir es, nicht unterzugehen? Welche Techniken brauchen wir? Die Autorin Kathrin Passig dazu: “Monotasking ist die Fähigkeit der Vergangenheit, unkontrolliertes Schwimmen im Informationsstrom als Fähigkeit der Zukunft.” Ich bin mir nicht sicher, ob unkontrolliertes Schwimmen so gut tut, eher freies Schwimmen mit Freischwimmer im unkontrollierten Badesee. Jemand, der in Deutschland einen Swimmingpool mit einer Wassertiefe ab 1,60 Meter plant, braucht einen Bademeister. Mehr Freiheit, mehr Tiefe, weniger Bademeister. Umso mehr freut es mich, dass die Verfasser des Slow Media Manifest ein Slow Media Institut planen, toitoitoi!
  • dass die Reform des Urheberrechts dringend nötig ist. Denn nicht nur Künstler der digitalen Kunst begehen ständig “performative Urheberrechtsverletzungen” (Inke Arns), auch Nicht-Künstler verletzen ständig das Urheberrecht. Denn eigentlich ist jedes Verlinken eines Youtube-Videos eine Art rechtswidriger Nutzung fremder Gedanken. Und da wir das heutzutage alle machen (Wiederholen ist ein wichtiges Element heutiger Kulturtechnik, belehrte uns Mercedes Bunz), hat sich das Urheberrecht von einem Recht für Profis zu einem Recht mit übergreifender gesellschaftlicher Relevanz verändert (Jurist Till Kreutzer). Die Vorschläge reichen von einem fair-use-Modell wie in den USA, das transformierende Nutzung fremden geistigen Eigentums erlaubt, zu einem Leistungsschutzrecht, das immer den Urheber im Blick hat und sich nur auf gewerbliche Nutzung bezieht (Neumann), zu einem partizipativen, freiheitlichen Verständnis im Sinne des Informationsfreiheitsgesetzes (Thomas Krüger), wo alle Inhalte, insbesondere die über Steuergelder finanzierten wie die des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, allen zugänglich gemacht werden. In der Realität sieht es so aus, dass täglich vier Millionen Nutzer sich auf Plattformen wie der gerade als illegal gesperrten Video-on-Demand-Webseite kino.to Filme und Serien angeschaut haben und dass die meisten Urheberrechte bei großen Verlagen und Konzernen liegen. Wer schützt also heute den “produser”, den Produzenten und Konsumenten von Netz-Inhalt? Geht es nicht eigentlich eher um Datenschutz und Informationsfreiheit, die uns etwas kosten sollte? Schlussendlich und produktiv als Idee, weil eher einzelnen Nutzer ausgehen, sei noch die Kulturwertmarke genannt, die der Chaos Computer Club ausgearbeitet hat. Jeder Internetnutzer zahlt etwas mehr für seinen Zugang und erhält damit eine digitale Währung, die er Urhebern, die er schätzt, zukommen lassen kann.

Ich bin gespannt, wie sich Deutschlands (offizielle, Geld vergebende) Kulturwelt weiter mit dem Netz anfreundet. Wahrscheinlich ist das Netz schneller als die Institutionen, und wir haben dann einfach neue Institutionen. Press Esc. Wer über die digitale Gesellschaft der Zukunft mitbestimmen will, kann es zum Glück tun, denn die Enquete-Kommission hat eine Mitmach-Seite, die das Netzvolk zum 18. Sachverständigen ausruft.

PS. Twitterern, denen es sich zu folgen lohnt: @meta_blum, @weiszklee, @amprekord

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Eintauchen

Samstag, 7. Mai 2011

Das Theatertreffen 2011 startete mit viel Wasser. Die siebenköpfige Blog-Redaktion startete mit neuen Formaten, darunter die “Guttenberg-Kritik” oder “Seitenrang links“. Noch zwei Wochen ab heute für weitere kulturjournalistische Experimente. Exklusiv-Vorschau: aktuelle Reaktion auf den Fragebogenzensus, der am 9. Mai startet, und ein Interview mit einem Pferd. Wer mich sucht, der mich dort findet, bis 24. Mai tauche ich ab…

Link zum Theatertreffen-Blog 2011.

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Manifestos!

Donnerstag, 24. März 2011

Wenn Gruppen sich zusammentun und zusammenschreiben, entstehen hier und da Manifeste. Manifest-Großeltern Marx und Engels würden sich bestimmt freuen, dass das politisch-literarische Fordern wieder auflebt: “Ein Gespenst geht um in Europa, es ist der Manifestismus“. Meine Mini-Analyse für den Guardian liest sich hier.

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Internationale Kulturblogger gesucht!

Montag, 13. Dezember 2010

Auch für das Theatertreffen 2011 werden wieder theaterinteressierte, webaffine Schreiberinnen und Schreiber unter 35 Jahren gesucht. Infos zur Bewerbung (Bewerbungsschluss 31. Januar 2011).

Von Anfang an, und nicht gerade unbeeinflusst durch den Enthusiasmus seiner Fans, wirkte das Internet weniger wie eine Technologie sondern eher wie eine soziale Bewegung – wie der Kommunismus, Feminismus und Rock’n’Roll. Eine Ideologie, die wir Webismus nennen könnten. Während wir anderen Kinoanfangszeiten nachschlagen, Pullis kaufen und Jihad-Videos hochladen, rufen die Webisten eine neue Ära aus. The Editors, n+1

Ob das Internet uns schlau macht oder dumm, ob es unser Lesen fördert oder unsere Gehirne zermatscht, darüber herrscht keine Einigkeit. Unbestritten ist jedoch die Tatsache, dass ohne das Netz nicht mehr viel geht, dass sich ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens über das Netz organisiert, sich im Netz widerspiegelt, wenn es nicht gar im Netz stattfindet. Das Netz sind wir, wir sind im Netz.

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Hinter den Kulissen: Iris Laufenberg, Leiterin des Theatertreffens, diskutiert mit den Theatertreffen-Bloggern 2010. Foto: Kim Keibel

Auch der Kulturbetrieb – Theater, Opernhäuser, Musiker, Tanzkompanien, Orchester, Künstler, Festivals – hat die digitalen Kanäle entdeckt, mit denen das Web zum „sozialen Web“ geworden ist: Facebook, Myspace und Twitter sind Plattformen, die prinzipiell jeder, der einen Internetzugang und einen Computer hat, kostenlos nutzen kann, um sich zu vernetzen, auf sich aufmerksam zu machen und sich mit anderen auszutauschen. Heute finden immer mehr Kulturdebatten online statt, allerdings nicht unbedingt auf den Webseiten der Zeitungen und Medienkonzerne, sondern eher zwischen Kulturkonsumenten und -produzenten in Communities. Diese Diskussionen sind grenzenlos. Auf Facebook können theoretisch 500 Millionen User in allen Ländern der Welt miteinander in Kontakt treten. Schon jetzt schicken sich Regisseure auf diesem Weg Links zu Videos, unterhalten sich Autoren und Journalisten miteinander über das Tagesgeschäft, schreiben Kuratoren Statusmeldungen von ihren Reisen. Die Kultur ist bereits im Netz – aber prägt sie es auch mit?

Um grenzüberschreitende, zeitgenössische Theaterdebatten im Internet bewusst zu fördern, werden für das Theatertreffen 2011 erstmals internationale Kulturblogger gesucht: Autoren, Fotografen, Videoblogger, Audioblogger, die sich mit aktuellen und gesellschaftlichen Strömungen beschäftigen und eine medial geprägte Zuschauerschaft, auch außerhalb Berlins und der deutschsprachigen Theaterszene, ansprechen. Die Blogger werden wie Journalisten akkreditiert und können wie „rasende Reporter“ eigene Schwerpunkte der Berichterstattung setzen. Damit unterstützt das Theatertreffen dezidiert neue Formen des Kulturjournalismus, stellt diese Formen mit Workshops und Seminaren aber in einen professionellen Kontext.

Das Theatertreffen widmet sich seit 2005 der Förderung junger Kulturjournalisten, seit zwei Jahren explizit der Förderung ihrer Online-Kenntnisse. Seit Beginn versteht sich das Theatertreffen-Blog journalistisch und medial als prozesshaftes, den sich wechselnden Umständen anpassendes Festivalfenster, um einerseits das klassische Feuilleton im Netz zu stärken, andererseits aber auch neue Formate der Kulturberichterstattung zu entwickeln. Dabei spielen klassische Rezensionen eine geringere Rolle ,– denn diese sind zu allen zum Theatertreffen eingeladenen Stücken schon zur Genüge vorhanden –, sondern das Blog will sich auf individuelle und innovative Weise dem Festival- und Theaterbetrieb nähern.

Inhaltlich und finanziell unterstützt wird das tt Blog 2011 erstmalig von der Rudolf Augstein Stiftung. Medienpartner sind seit 2005 die Berliner Zeitung, seit 2010 Kultiversum.

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Leertaste

Sonntag, 5. September 2010

Ein surrealer Tag: Durch Kreuzberg fahren gegen 22 Uhr lautlose Polizeikolonnen mit Blaulicht, ein Sandwichmann mit elektronisch dudelner Hupe demonstriert alleine für das “Kommunale Wahlrecht” von etwas, das sich von Weitem wie TPrIPR liest, der Kellner in der Bar Trödler legt vor mich einen Zettel “Neben euch sitzt ein Dieb”. Woran erkennt man einen Dieb? An dem gestreiften T-Shirt, dem aufgepumpten Körper, der dicken Goldkette? Und was möchte er stehlen? Unser alten Handys? Oder die kostenlosen Flyer, die in unseren Taschen herumlagern, den Aufkleber “Circulate this” vom Londoner Bookshop AA oder die zwei Mixtapes “Girls grow up faster” und “Girls Internationale. ’60s female artists from Foreign Lands”? Wir werden es nie erfahren, denn nachdem er immer näher gerückt war, gingen wir und zahlten.

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Unter dem Motto-Box. Foto: Motto Distribution

Eigentlich wollte ich aber von der zweiten Messe unabhängiger internationaler Magazine im Kreuzberger Buchladen “Motto erzählen, auf der wir vorher gewesen waren, aber dort erstand ich weder sperrige Theorietexte “What means why?”, tolle Zeichungshefte (Fukt Magazin), die lässige Literaturzeitschrift F.R. David noch das schöne Plakat mit Farbverlauf “Hot dogs are not book marks”, sondern nur besagte Mixtapes. Rebellion gegen Print? Nein. Denn noch eigentlicher wollte ich davon schreiben, dass ich heute zum ersten Mal in meinem Leben zwei Zeitungsseiten mit Text befüllt habe, überregional! Denn heute feierte die Frankfurter Rundschau ihr 65-jähriges Bestehen mit einer 64 Seiten dicken Beilage über die Zukunft von Print und Netz und ich durfte auch was dazu sagen. Die FR hat sich selbst ein Geburtstagsgeschenk gemacht und ihren Onlineauftritte erneuert. Ich finde, die Seiten sehen gut aus: Mir gefallen besonders die Reiter und die verlinkte Rubrizierung über den Texten. Das erleichtert das Navigieren enorm. Auch der viele Weißraum, den sich Onlineseiten immer mehr gönnen, so als verabscheuten sie auch, wie die Zeitungsmacher, endlose Bleiwüsten, hat es mir angetan. Weißraum war, das entnahm ich dem US-amerikanischen Webmagazin Slate, übrigens schon seit Anbeginn der Zeitungsgeschichte integraler Bestandteil des Mediums: Der 1704 gegründete Boston News-Letter enthielt leere Stellen, auf denen der Leser seine eigenen Gedanken eintragen konnte – wie heute die Kommentatoren in Blogs.

Dieser Text sollte eigentlich eine Hommage an die Leertaste sein. Aberdashabichjetzttotalvergessen.

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Sortenvielfalt speichern

Mittwoch, 14. Juli 2010

Der indische Blogger Anatha Sayanan hat mir am Telefon erzählt, wie er versucht, alte Saatgüter und landwirtschaftliche Traditionen zu bewahren, die immer mehr von der industriellen Lebensmittelerzeugung und genmanipulierten Samen verdrängt werden. Das Protokoll des Gesprächs ist in der Zeitschrift Kulturaustausch erschienen, in einer Ausgabe, die sich damit beschäftigt, wie die digitalen Kulturen uns und unseren Alltag verändern:

Anantha Sayanan, geboren 1967 in Chennai, studierte Ingenieurswesen mit Schwerpunkt auf Elektronik und Kommunikation sowie Angewandte Computerwissenschaft an der Madras Universität. Danach arbeitete er in der Telekommunikationsbranche, bis er vor etwa 10 Jahren in die Schweiz zog. Vor vier Jahren kehrte er nach Chennai zurück. Mit Freunden und Aktivisten betreiben Sayanan und seine Frau einen Non-Profit-Laden für ökologisch angebaute Produkte. Sie reisen durchs Land, um sich über die Lage der indischen Landwirtschaft zu informieren. Von den Menschen, denen sie begegnen, und ihren grünen Projekten handelt Sayanas Blog ananthoosupdates.

Fünf Jahre lang habe ich in der Schweiz gelebt und in der IT-Industrie gearbeitet. Als ich vor vier Jahren zurück nach Indien ging, entschieden meine Frau und ich, etwas Sinnvolles zu tun: Ich interessierte mich für Landwirtschaft, Wasserversorgung und Bildung im ländlichen Indien, also dachte ich, ich schaue mir das vor Ort am besten selbst an. Ich gab meinen Job auf, und wir fingen an zu reisen. Seitdem leben wir von meinem Ersparten.
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Digitale Arbeitswelten

Freitag, 23. April 2010

Ich habe für die taz einen Essay geschrieben, darüber, wie sich digitale Arbeit organisieren lässt. Natürlich haben sich auch andere Leute zu diesem Thema viele Gedanken gemacht, einige erwähne ich in meinem Text. Daher stelle ich hier die Online-Dokumente für eine tiefergehende Lektüre zusammen: Charles Leadbeater schreibt auf der US-amerikanischen Intellektuellen-Plattform, der Frank Schirrmacher sein erstes Interview zu seinem Überforderungsbuch “Payback” gab, über “The Promise and the Threat of Cloud Culture“. Von einer Bedrohung mag Geert Lovink nicht sprechen, er nennt die Übermacht der Netzkulturen, bzw. ihren Einfluss auf unsere Zeitwahrnehmungen “Kolonialisierung der Echtzeit“.

Wie das allseits in Europa sehnlichst erwartete iPad Situationen – nicht nur Kommunikation – digitalisiert, erklärt Mercedes Bunz auf ihrem Blog: “The iPad is lovely, and it hangs out with you”. Sie weist aber auch darauf hin, dass Apple mit dem iPad keine offenen Situationen zulässt, sondern nur Tätigkeiten, die die jeweils gekauften Apps erlauben.  Die Zukunft liegt im Programmieren, meint sie. Das sehe ich ähnlich, für mich sind Programmierer gar die neuen Eliten. Sie bestimmten, was wir mit Computer machen dürfen (siehe auch Jaron Laniers Manifesto “You are not a Gadget“).

Immer noch aktuell, was die Unmöglichkeit betrifft, Zukunft zu planen, wenn man in kurzfristigen Abständen denkt und arbeitet, ist der schon fast klassische Essay von Pierre Bourdieu “Prekarität ist überall“, aus dem Jahr 1998.

Eine andere Form der Mediennutzung, eine, die vielleicht nicht so energie-absaugend und ermüdend ist, schlagen die Verfasser des slow media-Manifests vor. Hier mal der dritte Paragraph: “Slow Media fördern Monotasking: Slow Media lassen sich nicht nebenbei konsumieren, sondern provozieren die Konzentration der Nutzer. So wie die Herstellung eines guten Essens die volle Aufmerksamkeit aller Sinne eines Koches und seiner Gäste erfordert, können Slow Media nur in fokussierter Wachheit mit Genuss konsumiert werden.” Daher kommt jetzt kein Link mehr. Dieser Lesestoff reicht, oder? Ich wünsche gute Versenkung.

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Blogs sind keine journalistischen Produkte?

Samstag, 14. November 2009
DJV Presseausweis

... teilte mir der Journalistenverband Berlin-Brandenburg mit.

Ich glaubte bisher immer, der Kampf zwischen Journalisten und Bloggern sei ein herbeigeredeter und in Wirklichkeit näherten sich die Glaubensbekenntnisse beider Berufsbilder immer weiter an. Denn sogar FAZ-Redakteure bloggen, Alpha-Blogger erhalten wichtige Medienpreise wie im Oktober etwa Stefan Niggemeier den Hans Bausch Mediapreis des SWR (frühere Preisträger: Elke Heidenreich, Harald Schmidt, Frank Schirrmacher, Wolfram Weimer). Hier ein Auszug aus der Jurybegründung:

Als Medienkritiker stellt er hohe Ansprüche an die Medien, über die er schreibt. Er stellt diese Ansprüche aber genauso an sich selbst und überträgt sie so auf das Medium, in dem er schreibt. Damit überführt er die journalistischen Tugenden der ‚alten‘ Medien in das neue Medium Internet und trägt wesentlich zur Etablierung journalistischer Standards im Netz bei. Er richtet sich nach den Tugenden, die für jeden Journalisten gelten – egal ob er für Zeitung, Radio, Fernsehen oder das Internet arbeitet: Er prüft die Fakten, auch dort, wo sie von anderen vielleicht ungeprüft übernommen wurden. Er recherchiert gründlich und wahrt Distanz.

Gründlich recherchieren, dazu gehört heute auch das Internet mit seinen vielen verschiedenen Quellen (ich meine nicht Google und Wikipedia). Zeitgemäße Journalistenschulen wie die DJS München bilden bereits ihre Zöglinge auch darin aus, “das Internet mit seinen neuen Anwendungen” (damit ist wohl Social Media gemeint) als “praktisches Recherchetool” zu verwenden. Die BBC veröffentlichte gar alle Tweets über die Demonstrationen in Iran als schnelle, ungeprüfte Nachrichten – die dann von Journalisten vor Ort verifiziert wurden und, sobald sie bestätigt waren, ein Wahrheits-Häkchen bekamen. Offline und online gehen immer mehr zusammen. Dachte ich.

Aber nein, der Journalistenverband Berlin-Brandenburg belehrte mich eines Besseren und behauptete mir gegenüber klipp und klar, Blogs seien keine journalistischen Produkte. Nun frage ich mich: Was macht denn journalistische Produkte aus, was Blogs nicht haben? Unabhängigkeit, Recherche, Meinungsbildung und -freiheit, Spezialisierung, Themenkonzepte, redaktionelle Planung… All das findet sich auch in Blogs. Natürlich nicht in allen, aber das Differenzieren und Nachfragen ist ja auch eine journalistische Tugend.

Dass der Journalistenverband es sich leisten kann, so zu pauschalisieren, ist peinlich, unjournalistisch und realitätsfern. Ich gebe dem Verband noch eine Chance und bitte um eine Definition für “journalistische Produkte”. Das tue ich schriftlich, denn dann kann ich wieder so ein schönes Foto machen.

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Telecoms Package

Donnerstag, 5. November 2009

Ich verbinde nicht viel Gutes mit der Telekom: teuer, langsam, zu lang laufende Verträge. Ich hab die Treue gekündigt, die mir anerzogen wurde (früher, vor der Privatisierung der Telekommunikation, gabs nur Telekom, mehr nicht). Paradox ist daher, dass das Paket zur Förderung von mehr Transparenz, mehr Sicherheit, mehr Wettbewerb und mehr Grundrechten der europäischen Internet-Nutzer “Telecoms Package” heißt. Vielleicht ist es purer Zufall (und der Abkürzung von “telecommunications” geschuldet), aber ich sehe natürlich alles sofort rosa-grau. (weiterlesen …)

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Logged in? How our daily lives have changed since 1989

Sonntag, 1. November 2009

What did you do on November 9th 1989? Do you remember? I was thirteen years old and sleeping snugly in my bed in Bremen, Northern Germany, West Germany, when my parents woke my younger sister and me up and allowed us to sit down in front of the television in the living room. This felt like Revolution (with a big R) in our children’s world: Usually, we were neither allowed to watch TV nor to stay up late, except on New Year’s Eve. But this wasn’t New Year’s Eve nor was the TV showing the traditional end-of-the-year comedy “Dinner for One“, where an old lady celebrates her 90th birthday in a circle of friends, each of them impersonated by her butler James who is getting totally drunk. (weiterlesen …)

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Warum ein Internet-Manifest?

Mittwoch, 9. September 2009

Ein Manifest zu schreiben, heißt, seine Meinung in klaren Punkten kundtun, heißt, zur Gegenmeinung auffordern, heißt, laut um inhaltliche Aufmerksamkeit buhlen, ist auch Aufforderung zur Aktion. Am 7. September haben 15 einflussreiche deutsche Bloggerinnen und Blogger ein Internet-Manifest veröffentlicht. (weiterlesen …)

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