Archiv für die Kategorie „Gesellschaft“

Handlungsbereit

Mittwoch, 29. August 2012

Man sollte sich nie von Selbstdarstellungen abschrecken lassen. Nehmen wir diese Kuratorenprosa zu den Bildern der Ausstellung Handlungsbereitschaft in den Kunstsälen, Berlin:

Fakt ist, dass das vage Gefühl ‘alles wäre bereits da gewesen’ nicht unbegründet scheint.

Was ist damit gemeint? Wie kann, ich übersetze mal in verkürztes, weniger umständliches Deutsch, “eine Tatsache begründet wirken”? Eine Tatsache ist ganz einfach eine Tatsache. Sie scheint nicht und sie ist auch nicht begründet oder unbegründet. Unabhängig von diesen verklausulierten Sätzen, die mir erst einmal gründlich die Lust daran verdorben haben, mich genauer mit solchen Aussagen zu beschäftigen, gefiel mir das, was ich vor Ort in den Kunstsälen gesehen habe, meist sehr gut. Und die Kuratorinnen und Kuratoren von Bublitz, einem jungen Kollektiv, reden auch viel verständlicher. Und sind sehr nett. Leider ist die Ausstellung, die die Werke junger, meist noch studierender Künstler in der subjektiven Auswahl von Vertretern ihrer Generation zeigt, nur noch bis zum 2. September zu sehen. Das Schöne am Internet ist, dass mein Text zum Thema, den ich für den Kunstmarkt des Tagesspiegels geschrieben habe, noch weiter zu lesen sein wird. By the way: Der Titel “U-30-Party” ist nicht von mir.

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klarheit

Donnerstag, 2. August 2012

klarsehen ohne windschutzscheibe, das ist das cabriofeeling
des daseins. wir brauchen den wind, wir brauchen den atem, das ständige flehen
des sauerstoffs. reiner wein, den füll ich dir ein, wenn du mir dein
hipstershirt widmest. beau et fort und beispiellose
entspannungsübungen in der freien natur. das können wir mal

heute, morgen und immer da.

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Londons Geschäftsideen

Donnerstag, 21. Juni 2012

Man sagt ja immer, eine neue Perspektive schaffe neue Ideen. Helfen kann da bereits der Club der Toten Dichter-Trick, nämlich, sich einfach mal zu Hause auf den Tisch zu stellen und die eigene Wohnung von oben zu betrachten. Etwas aufwändiger ist der Ortswechsel. Als ich neulich in London war, sprangen mich die Ideen von jeder Ecke aus an. Als ob sie da auf mich gewartet hätten. Auf den Plakaten, die entlang der Rolltreppen hinunter ins Reich der U-Bahn gehängt sind, fand ich gleich drei Businessideen, von denen ich in Deutschland noch nie etwas gehört hatte:

- CarSharing mit dem Auto des Nachbarn: So muss niemand mehr durch die halbe Stadt fahren, um ein Auto abzustellen oder -zu holen
- Wash&brush: ein friedlicher Friseurladen ohne Scheren
- Self-Checkout im Supermarkt: selbst einscannen vor den Augen der Sicherheitsbeamten, der Automat gibt auch Geld heraus und spricht “Pleace place your purchased items in the bag section”.

Es verwundert schon, dass in Zeiten wie diesen, wo sich das urbane globale Leben immer mehr angleicht, wo man Bubble-Tea-Ausbreitungsgraphen erstellen könnte, an denen sich diese Angleichung erkennen ließe, dass sich in diesen Zeiten noch lokale Eigenheiten erkennen lassen. Ich war froh darüber. Auch über den Busfahrer, der mich, als ich kein passendes Kleingeld hatte, einfach durchnickte. Über den Riesentoaster beim Frühstück. Und natürlich die vollen Pubs, wo man, wenn man “beer” bestellt, komisch angeschaut wird. “What kind of beer?”

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Sind Juristen die neuen Kritiker,

Mittwoch, 10. August 2011

die entscheiden, was hinreichend fiktionalisiert ist? Fragte ich mich anhand der Zunahme von Klagen gegen Verlage bezüglich der Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Aktueller Fall: Weil “eine Person” ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sah, wird der Roman “Das Da-Da-Da-Sein” von Maik Brüggemeyer, Rolling-Stone-Redakteur, das eigentlich jüngst im Aufbau Verlag erscheinen sollte, jetzt nochmal überarbeitet. Natürlich vom Autor selbst, aber sicherlich auch mit juristischer Beratung im Hintergrund. Zum Glück bleibt er optimistisch und zukunftsgerichtet. Ein schlaues Zitat aus unserem Gespräch, das ich nicht in dem Tagesspiegel-Artikel verwendet habe, passt viel besser hierher, aufs Blog

Vielleicht hat man mit Ebooks bald die Chance, mehr mit dem Persönlichkeitsrecht zu spielen. Ohne den Druck ist es einfacher und billiger, etwas zu ändern.

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Monotasking

Freitag, 10. Juni 2011

Ich wollte heute nochmal auf den Kulturpolitischen Bundeskongress gehen, der sich jedes Jahr serielle Titel gibt: ” X Macht Kultur”. Aber dann hab ich nur ein bisschen Twitter gelesen, weil ich so müde war.

2011 also ein Netz für ein X. Und ein Wlan im Konferenzraum, das nur hinter vorgehaltener Hand von den Hildesheim-Studierenden-Twitterern verraten wurde, die sich im Foyer um die Twitterwand in eine Art Steh-Halbkreis gebaut hatten und von dort aus die Twitter-Kommandozentrale bildeten. Der Hashtag war #kupoge, das Passwort weitaus sprechender für den katholischen Konferenzort. Es hieß: OMariaHilf!, mit Ausrufezeichen, ja, aber es hat trotzdem nicht funktioniert, lieber Gottvater, weil ich alles in Versalien schrieb. Die Tücken stecken im Detail.

Ist es also so, dass kulturpolitische Menschen und Politiker allgemein deshalb eher netz-fern sind, weil sie so oft vom Netz abgeschnitten sind, auch ungewollt? Man erfährt beim Podiumsgespräch einiger Mitglieder der Enquete-Kommission für die digitale Gesellschaft, dass im Plenarsaal des Bundestags Computer verboten sind, neulich hat jemand eine Rede vom ipad abgelesen, das war eine Revolution – und wohl auch Schleichwerbung. Man erfährt widerum, dass Oliver Scheytt, Prof. für Kulturpolitik in Hamburg, eine halbe Stunde pro Woche online ist, das twittert Arne Busse (@amprekord). Mir blieben nach dem ersten Tag mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen einige Worte im Ohr, wie die wunderschön altmodisch klingenden “Digitalisate”, von denen Kulturstaatsminister Bernd Neumann spricht. So stellt er sich also die Digitalisierung von Kultur vor: Abbildungen im Netz, Faksimiles von Büchern, Derivate, Kondensate, Europeanasate; kein Wort darüber, dass man vielleicht “andere Inhalte” braucht. Die Kosten für diese Re-Abbildungen können dann auch gerne Unternehmen tragen, wie etwa die Bayerische Staatsbibliothek, die nun mit Google zusammenarbeit, erläutert Neumann.

Die zwei großen Fragen, die sich bei mir weitertragen, sind:

  • die Aufmerksamkeitskrankheiten, die das Netz mit sich bringt, und die einen völlig anderen Umgang mit Kunst bedingen. Statt Versenkung vor einem Werk auf einem Altar in einem Kunstpalast gibts die Versendung, den Remix, das Sample des produsers. Statt des “Kunstspiels” (Gerhard Schulze), in welchem die Bildungsbürger sich in Gesprächen über Kultur ihres eigenen distinguierten Status’ versichern, gibts Game Art, Bastard Pop oder “culture of insignificance” für alle Nischen. Statt ästhetischer Urteile äußert man Erlebnis- und Gefühlsurteile (“Das ist super”, “Gefällt mir”.) Und das lässt sich als eine Rekompensation des digital Abwesenden verstehen: “Das Virtuelle drängt zum Physischen hin”, erkennt Gerhard Schulze: Beispiele sind die “Arabellion” in Nordafrika, Partnersuchportale und der Boom von Live-Konzerten. Problematisch wird es dann, wenn die Erlebnisse – im und außerhalb des Netzes -  uns überrollen. Wie schaffen wir es, nicht unterzugehen? Welche Techniken brauchen wir? Die Autorin Kathrin Passig dazu: “Monotasking ist die Fähigkeit der Vergangenheit, unkontrolliertes Schwimmen im Informationsstrom als Fähigkeit der Zukunft.” Ich bin mir nicht sicher, ob unkontrolliertes Schwimmen so gut tut, eher freies Schwimmen mit Freischwimmer im unkontrollierten Badesee. Jemand, der in Deutschland einen Swimmingpool mit einer Wassertiefe ab 1,60 Meter plant, braucht einen Bademeister. Mehr Freiheit, mehr Tiefe, weniger Bademeister. Umso mehr freut es mich, dass die Verfasser des Slow Media Manifest ein Slow Media Institut planen, toitoitoi!
  • dass die Reform des Urheberrechts dringend nötig ist. Denn nicht nur Künstler der digitalen Kunst begehen ständig “performative Urheberrechtsverletzungen” (Inke Arns), auch Nicht-Künstler verletzen ständig das Urheberrecht. Denn eigentlich ist jedes Verlinken eines Youtube-Videos eine Art rechtswidriger Nutzung fremder Gedanken. Und da wir das heutzutage alle machen (Wiederholen ist ein wichtiges Element heutiger Kulturtechnik, belehrte uns Mercedes Bunz), hat sich das Urheberrecht von einem Recht für Profis zu einem Recht mit übergreifender gesellschaftlicher Relevanz verändert (Jurist Till Kreutzer). Die Vorschläge reichen von einem fair-use-Modell wie in den USA, das transformierende Nutzung fremden geistigen Eigentums erlaubt, zu einem Leistungsschutzrecht, das immer den Urheber im Blick hat und sich nur auf gewerbliche Nutzung bezieht (Neumann), zu einem partizipativen, freiheitlichen Verständnis im Sinne des Informationsfreiheitsgesetzes (Thomas Krüger), wo alle Inhalte, insbesondere die über Steuergelder finanzierten wie die des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, allen zugänglich gemacht werden. In der Realität sieht es so aus, dass täglich vier Millionen Nutzer sich auf Plattformen wie der gerade als illegal gesperrten Video-on-Demand-Webseite kino.to Filme und Serien angeschaut haben und dass die meisten Urheberrechte bei großen Verlagen und Konzernen liegen. Wer schützt also heute den “produser”, den Produzenten und Konsumenten von Netz-Inhalt? Geht es nicht eigentlich eher um Datenschutz und Informationsfreiheit, die uns etwas kosten sollte? Schlussendlich und produktiv als Idee, weil eher einzelnen Nutzer ausgehen, sei noch die Kulturwertmarke genannt, die der Chaos Computer Club ausgearbeitet hat. Jeder Internetnutzer zahlt etwas mehr für seinen Zugang und erhält damit eine digitale Währung, die er Urhebern, die er schätzt, zukommen lassen kann.

Ich bin gespannt, wie sich Deutschlands (offizielle, Geld vergebende) Kulturwelt weiter mit dem Netz anfreundet. Wahrscheinlich ist das Netz schneller als die Institutionen, und wir haben dann einfach neue Institutionen. Press Esc. Wer über die digitale Gesellschaft der Zukunft mitbestimmen will, kann es zum Glück tun, denn die Enquete-Kommission hat eine Mitmach-Seite, die das Netzvolk zum 18. Sachverständigen ausruft.

PS. Twitterern, denen es sich zu folgen lohnt: @meta_blum, @weiszklee, @amprekord

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The return of sorry

Sonntag, 13. März 2011

Germany’s resigned defense minister zu Guttenberg has apparently just sent an apology letter to all research assistants in the German Bundestag. From material they had put together for him as part of the governmental service, he had copied without quoting them, and thus produced a mash-up of a more than 400 pages long dissertation. A week ago he apologised publicly, saying sorry for having made mistakes after weeks of public debate about plagiarism, honesty and academic standards. A few days before, in his defense speech in front of the German government, still not ready to leave his post, he had been so audacious proposing that his humble behaviour of saying sorry could serve as a model for everyone in this country. So: Is there a come-back of saying sorry? What if, in this world of ever so many possiblities, we cannot count on our acts anymore? If there is no point of reference anymore to stand on, we need to at least be honest when we have made a mistake, zu Guttenberg seems to say. His philosophy is simple: Replacing decent action with a decent apology.

What for? Let me guess, that he wants to step back onto the political stage again in a few years time as a remorseful refined man. The first step on a new path is a hearty sorry. And this, as we know, is the common dramaturgy be it in old myths or in new blockbusters. The fallen hero embraces his faults and can then return, shimmering with new credibility. Stronger than before, better than before. Bigger, brighter, unvincable. This is why zu Guttenberg in his abdication speech quoted (without naming the source, of course) from Star Wars “The Wrath of Khan”. The story of Khan goes like this: a genetically modified Uber-Mensch leaves his exile and then returns, seeking revenge.

The only difference: Politics is not an epic art world, you cannot cut out stupid scenes or badly written paragraphs and rewrite the piece. Life is not based on a movie script, neither political life. You cannot say: “Oh, I’m sorry, I just wasn’t sure when signing this contract about 10 nuclear power plants, I apologise for it.”

But maybe we cannot draw the line anymore, between fake and fiction. A phrase regarding contraception, another form of prevention, comes to my mind. “Better to be safe, than sorry.” Better to think and reflect about your actions, before saying sorry.

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Asma Mahfouz

Mittwoch, 2. Februar 2011

Diese mutige, junge ägyptische Frau rief zur Demonstration auf: “Kommt alle am 25. Januar auf den Tahrir-Platz, tut etwas Positives, bringt fünf bis zehn Freunde und Bekannte mit. Wir wollen nichts außer unsere Menschenrechte einfordern.” Sie erwähnt, dass sich bereits, ähnlich wie in Tunesien, vier Menschen verbrannt haben und dass die nationalen Medien jeden, der aus Protest in den Tod geht, als Psychopath bezeichnet wird. Sie fragt: “Wenn sie Psychopathen waren, wieso verbrannten sie sich dann vor dem Parlament?” Mich wundert, dass dieses Video erst 1.377mal angesehen wurde. Ich glaube, es ist es eine neuere Version des Originals, mit englischen Untertiteln, da auch die nicht-arabische Welt die Entwicklungen gebannt verfolgt.

eurotopics sammelt hier die Links zu den Meinungen der europäischen Presse zu den Unruhen und Protesten in der arabischen Welt. Dass die europäischen Regierungen, insbesondere Tony Blair, der einen “stabilen Wechsel” in Ägypten fordert und damit einen Kompromiss mit dem Mubarak-Regime, sich nicht voll und ganz hinter das Aufbegehren der Bevölkerung stellen, findet der slowenische Philosoph Slavoj Zizek im Guardian scheinheilig. Er will Mubarak vor dem Europäischen Menschengerichtshof in Den Haag sehen.

Er schreibt:

Nichts fällt dem Beobachter der Unruhen in Tunesien und Ägypten mehr auf als die verdächtige Abwesenheit der islamischen Fundamentalisten. Die Menschen protestierten in der besten säkular-demokratischen Tradition gegen ein unterdrückendes Regime, gegen Korruption und Armut, sie verlangten Freiheit und wirtschaftliche Hoffnung.

Weltweit haben sich schon Hunderttausende der virtuellen Solidaritätsbekundung, dem virtuellen “March of Millions” auf Facebook angeschlossen.

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Best of

Freitag, 14. Januar 2011

Erst im Januar kommen viele Blogs dazu, über das vergangene Jahr nachzudenken. Ich begrüße es herzlich und finde es herrlich, dass das mediale Rauschen kurz anhält, dass die einschneidenden Online-Erlebnisse (vor allem im Format Text) noch einmal nach vorne geholt werden. Ich lese solche Sammelstellen viel lieber als diese ewigen Vor-Jahresende-Geschenketipp-Listen, die in Tageszeitung so beliebt sind. Kritiker X empfiehlt diesen “Neucomer”, “Altbekanntes”, “Immer wieder gerne”, “Bloß nicht”, …

Best of Feuilleton 2010 des Umblätterers. Christopher Schmidt, SZ, wird als Kritiker des Jahres ausgerufen, für seine meinungsstarken Verrisse von Thomas Hettche “Die Liebe der Väter” und Harald Martensteins “Gefühlte Nähe”.  Schmidt liest  beide Bücher als Vertreter einer “neuen Männerliteratur, die sich billiges revanchistisches Samenstaugewinsel auf die Fahne geschrieben hat und das für originell hält”. Yes!

Teresa Bücker blickt auf “Flannelapparel” mit einem Rolf Dieter Brinkmann-Gedicht auf diejenigen, die sich das digitale Vergessen wünschen, das Gegenteil des Best-of.

Jay Rosen fasst seine eigenen besten Gedanken 2010 in einer Liste zusammen. Oh, das hat er aber noch 2010 geschafft, wie ich gerade bemerke, und zwar am 18. Dezember. Also hatte er ab dem 19. Dezember keine erwähnenswerten Gedanken mehr…

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Über die Projektemacherei

Dienstag, 11. Januar 2011

Sehr kurzer Versuch einer Aufwertung des Wortes “Projekt”, das mich, wie bestimmt viele andere, sehr nervt, aber ich finde einfach kein anderes

The building of Babel was a right project; for indeed the true definition of a project, according to modern acceptation, is, as is said before, a vast undertaking, too big to be managed, and therefore likely enough to come to nothing.

Der Turmbau zu Babel war ein echtes Projekt; denn die richtige Definition eines Projekt lautet, wenn man der modernen Bedeutung folgt: eine Riesenunternehmung, zu groß, um angeleitet zu werden, mit größter Wahrscheinlichkeit nicht umsetzbar.

Daniel Defoe, Autor von Robinson Crusoe, definiert in seinem “Essay Upon Projects”, Projekte eher so wie Luftschiffe, unerreichbare Traumgebilde, großartige Ideen, die in ihrer Gigantomanie anregen, die andere Sichtweisen zulassen, und die, wenn sie nur zu einem kleinen Grade vollendet würden, bereits einen bestimmten Missstand verbessert hätten. So gesehen, liest sich diese zunächst eher pessimistischen Definition als eine zukunftsweisende, humanistische. Die britische Designerin und Post-Punkerin Vivienne Westwood behauptete 2005 in einem kurzen Meinungstext Ähnliches: Denken für sich, an sich kann die Welt verändern. Es sei produktiver als das ständige Konsumieren. In ihren eigenen Worten:

Meine Botschaft ist sehr kompliziert. Im Wesentlichen sage ich den Menschen: “Wenn ihr nicht fernseht, erfahrt ihr euer eigenes Leben. Schaltet aus! Sitzt einfach nur da und macht nichts.” Eine schwierige Botschaft.

Wer ein Projekt angeht, plant, eventuell teilweise vielleicht, egal, umsetzt, der muss reflektieren, vergleichen, strukturieren, einen Ansatz entwickeln, eine Position finden, der muss sich hinsetzen und seine Gedanken fassen, ein Thema finden, eine Lücke, ein offenes Feld.

Yeah, let’s go outside. To meet the inside.

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Bloggermädchen 2010 wählen

Donnerstag, 6. Januar 2011
bloggermaedchen10

Wählt das Bloggermädchen 2010! Illustration: Fräulein Zucker

Wie im vergangenen Jahr (sehr lange spannende Liste von Bloggerinnen) hat das Blog Mädchenmannschaft erneut zur Wahl des Bloggermädchens aufgerufen. Aus den Top 10 von hundert vorgeschlagenen im Netz schreibenden Frauen könnt ihr bis zum 31. Januar eure Favoritin 2010 wählen!

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Info sur Tip

Montag, 22. November 2010
fusionblick

Mein erstes Reiseblog... gewidmet dem Strand mit dem merkwürdigsten Namen.

rentner

Einfach mal ausspannen... für jung und alt.

Schaut doch auch vorbei, im Frühlingsparadies Patalavaca, (mein erstes Reiseblog…), hier ist immer irgendwas los!

Club der Philosophen, jeden Mittwoch, spannende Doku auf Open Air Großleinwand mit anschl. Diskussionsrunde, Finca Buddha, El Salobre” oder “Spaß, der nichts kostet! Suchen Frauen und Männer, die Lust haben Petanque zu spielen. Ab 15 h sind wir in San Agustín, nb. Hotel Beach Club.” oder “Wer keine Lust auf Sport und keine Ausdauer für Diät hat, kann auch mit grünem Tee etwas abspecken.” oder “Feigen sind nicht nur lecker, in ihnen steckt auch viel Vitamin A, Kalzium, Magnesium und Eisen. Falls sie zu trocken geworden sind, einfach über Nacht in Wasser einlegen. Dann schmecken sie am nächsten Tag wie frisch vom Baum.” (aus: info sur Tip, 11. November 2010, 11 Jahre Gratis).

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Kadaverchen

Montag, 8. November 2010

Der mexikanische Autor Carlos Vicente Castro erzählte mir, dass in seinem Land zum Dia de los Muertos/Tag der Toten diversen Personen des öffentlichen Interesses gereimte Nachrufe, so genannte Calaveritas, geschrieben werden, in denen sie an einer ihrer Charaktereigenschaften sterben. Zum Monat der Toten, dem November, habe ich mich nun auch an Nachrufen versucht, die ich Kadaverchen nenne (korrekt wäre: Schädelchen). Allerdings landen meine ausgewählten Freunde in Zwischenreichen, in anderen Realitäten… übersetzt ins Falschspanisch.

rery, la poeta anarchista que rie sin morir

wenn rery keine rauchen kann,
verkleidet sie sich gern als mann.
der bart ist freiheit, anarchie,
der tod, der findet sie so nie.

cuando rery no puede fumar,
se disfrace en hombre con barba,
para ella significa libertad y anarchy,
la muerte no le va encontrar nunca así..

carlos, el guadalajero con blog secreto

eines tages gelangte er in china
in einen raum voller maskuliner melodia
noch heute weiß nur er, was es dort gab,
das geheimnis nimmt er mit ins grab.

un dia carlos visitaba en china
una habitacion con musica masculina.
solo el sabe que pasó en sus vacaciones,
sobrevivi un blog de estas expediciones.

alan, el maya-hacker polylingual

mit alan kannst du auf zeitreise gehen
er weiß, welche kreise die sterne drehen
seine essays sind die kinder von cyber&ninja,
er selbst verschwindet täglich im land der maya.

con alan puedes viajar en el tiempo, bella,
puedes mirar a las galacticas y un estrella.
sus ensayos son los ninos de cyber&ninja,
el mismo desaparece cada dia en el país maya.

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Maskierte Winkekatzen

Montag, 23. August 2010

Vor einigen Jahren besuchte ich eine bolivianische Familie und wollte Postkarten nach Hause schreiben. Ich saß auf dem Bett, denn einen Schreibtisch gab es nur im Elternschlafzimmer, vollgestellt mit Kosmetik und Parfumflakons, ein anderer, mit Computer, stand im Wohnzimmer, dort konnte ich mich nicht konzentrieren, dort war das Zentrum der Familie. Also balancierte ich die Postkarten auf meinen Knien, Adressbuch daneben und versuchte mit Kuli einige Zeilen festzuhalten. Das war fast unmöglich, denn immer wieder kamen Familienmitglieder zu mir und fragte mich, ob ich mich nicht zu ihnen setzen wolle. Ich könne da doch nicht so alleine sein. Für sie war es unverständlich, warum ich mich absonderte in einem abgedunkelten Raum und schweigen wollte. (weiterlesen …)

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Fleischsensibel in dritter Generation

Montag, 16. August 2010

Deutschland ist Fleisch: Auf der aktuellen ZEIT prangt ein blutiges Steak, Jonathan Safran Foers “Eating animals”-Buch löst, kurz vor seinem Erscheinen auf dem deutschsprachigen Markt, eine Welle fleischkritischer Prosa und Interviews aus. Woher kommt diese neue Sensibilität für das Wohl der Lebewesen, die wir vertilgen? Ist das nur ein neuer Trend, ein weiterer Fall von “bewusst leben” in Gesellschaften, die keine anderen Probleme haben?

Ich persönlich finde es absurd, dass auf einmal alle wie erleuchtet scheinen und zu fleischlos Glücklichen konvertieren. Denn wir wussten es doch schon lange: Tierhaltung heute ist brutal, Begriffe wie “Kleingruppenhaltung” aus der Welt der Legehennenbatterien belegen das eindrücklich. Rinderzucht produziert Klimagase, verbraucht viel Energie (Wasser, Transportkosten, Kühlung), verschwendet Nahrung (Futtermittel) und damit Anbauflächen, die für durchaus nachhaltigere Speisen verwendet werden könnten. Die gentechnisch veränderten Wesen, die auf unseren Tellern landen, wären in ihren natürlichen Umgebungen nicht mehr lebensfähig: Hühner mit Mörderbrüsten, Rinder mit Superhintern. Und die ihnen gespritzten Medikamente nehmen schlussendlich wir Menschen als Endverbraucher auf. Fleisch ist wahrlich kein Gemüse. Und Kühe sind nicht lila. (weiterlesen …)

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