#btw09

Hochrechnung um 18.14 Uhr: Union 33,4 / SPD 22,7 / FDP 14,8 / Linke 12,5 / Grüne 10,6 / Piraten 2,1

ZDF-Hochrechnerein

Hochrechnerin. In Twittergrün, am ZDF-Tisch.

Erste halbe Stunde nach Hochrechnungen: Twitterlesen ist besser und schneller als Fernsehen! Alle 10 Sekunden kommen 60-80 neue Tweets. Auf Twitter ist die Stimmung schlecht, viele wollen nur noch „kotzen“ und in den Keller gehen. Ins Bett. Auswandern. Hier eine Zitatcollage als erstes Stimmungsbild:

„Schwarzgelb ist eine Warnfarbe“ und „Willkommen im Überwachungs- und Atomstaat!“. Dass Angela Merkel (CDU) Kanzlerin bleibt, erscheint als Unausweichlichkeit, wird kaum diskutiert. Besonders an der Person Guido Westerwelle (FDP) entlädt sich der Frust: „Viel Spaß mit Guido!“ „Oh, Gott, Westerwelle als Außenminister.“ „Die soziale Kälte kommt, der große deutsche Egotrip.“ Dass mit Guido der erste homosexuelle Vizekanzler gewählt wurde, freut allerdings viele. Sie sehen bei der #btw13 schon eine rot-rote Koalition mit Wowereit als Kanzler.

Nur wenige sind positiv und schreiben „Jetzt wird vieles besser“. Einer rät den Piraten „Klarmachen zum Kentern“. Die “Internet-Partei”, die zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl angetreten ist, hat etwa 2 Prozent erhalten, das sind zirka 1 Millionen Wähler. Ein Twitterer weiß: Das ist ein besseres Ergebnis als das der Grünen bei ihrer ersten Bundestagswahl (1980: 1,5 %). Interessant ist, wie den Parteien ein „groß“ oder „klein“ vorgestellt wird: Die FDP gelte als große Partei, obwohl sie nur wenig mehr Stimmen als die Linke habe. Peter Frey, Kommentator im ZDF, nennt den Abend den „schwärzesten Abend“ für die SPD, hier stimmt das Bild, Rückkehr der bürgerlichen „schwarzen“ Mitte. Auf zur Wahlparty. Ich trage heute Twittergrün.

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2 Kommentare zu „#btw09“

  1. Anja sagt:

    Ist eigentlich schon mal jemandem der Verdacht von Wahlbetrug aufgekommen? Überall höre ich nur Entsetzen über das Ergebnis der FDP und die Vorstellung, Mr. Westerwave als Außenminister zu haben. Wer hat sie dann gewählt?

  2. Nikola sagt:

    Wahlbetrug, das glaub ich kaum. Ich sehe hier vor allem einen Generationen-Graben. Die einen sind online und weltoffen, die anderen sind offline und weltfremd. Europa ist bald ein “inkontinenter Kontinent”, wie Tom Schulz in seinem neuen Gedichtband “Kanon vor dem Verschwinden” (Berlin Verlag) sagt. Und die Älteren haben halt noch alte Werte. Wir müssen einfach lauter werden. Und sind ja auch nicht mehr die Jüngsten!

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