Archiv für Januar 2011

Best of

Freitag, 14. Januar 2011

Erst im Januar kommen viele Blogs dazu, über das vergangene Jahr nachzudenken. Ich begrüße es herzlich und finde es herrlich, dass das mediale Rauschen kurz anhält, dass die einschneidenden Online-Erlebnisse (vor allem im Format Text) noch einmal nach vorne geholt werden. Ich lese solche Sammelstellen viel lieber als diese ewigen Vor-Jahresende-Geschenketipp-Listen, die in Tageszeitung so beliebt sind. Kritiker X empfiehlt diesen “Neucomer”, “Altbekanntes”, “Immer wieder gerne”, “Bloß nicht”, …

Best of Feuilleton 2010 des Umblätterers. Christopher Schmidt, SZ, wird als Kritiker des Jahres ausgerufen, für seine meinungsstarken Verrisse von Thomas Hettche “Die Liebe der Väter” und Harald Martensteins “Gefühlte Nähe”.  Schmidt liest  beide Bücher als Vertreter einer “neuen Männerliteratur, die sich billiges revanchistisches Samenstaugewinsel auf die Fahne geschrieben hat und das für originell hält”. Yes!

Teresa Bücker blickt auf “Flannelapparel” mit einem Rolf Dieter Brinkmann-Gedicht auf diejenigen, die sich das digitale Vergessen wünschen, das Gegenteil des Best-of.

Jay Rosen fasst seine eigenen besten Gedanken 2010 in einer Liste zusammen. Oh, das hat er aber noch 2010 geschafft, wie ich gerade bemerke, und zwar am 18. Dezember. Also hatte er ab dem 19. Dezember keine erwähnenswerten Gedanken mehr…

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Erzähltheorie der Log Lady

Freitag, 14. Januar 2011

Der Mutter aller Serien, “Twin Peaks” von David Lynch, ist in  jeder Episode die so genannte Log Lady vorangestellt. Wir könnten sie die Mutter der Mysterien, der Wahrheiten, der Traurigkeiten, der Geschichten nennen, die in Twin Peaks (Twinpieks), in dieser abgelegenen Kleinstadt im US-amerikanischen Nordwesten spielen. Diese zugleich weise, aber undurchschaubare Frau weiß mehr als alle, als der Zuschauer, die Bewohner, der FBI-Agent, ja, vielleicht auch als der Regisseur, denn sie spricht in einem beruhigenden Raunen, dem Ton des Erzählers, “dem raunenden Beschwörer des Imperativs”, wie Thomas Mann ihn nannte. Sie ist das Atmen vor dem Anfang. Wäre es nicht schön, wenn wir die Mütter anderer Kunstformen sammelten? Die Mutter der Skulptur, die Mutter der Musik, die Mutter der Lyrik? Die Mutter der Blogs wären das feuilletonistische Ich-Sagen und die Kommentarfelder, die weißen Stellen in den frühen Zeitungen. Das Erzählen ist nie abgeschlossen, es ist episodisch, so wie eine TV-Serie. Es setzt einen symbolischen Anfang, indem es einen Holzscheit aus dem Stamm schneidet, und hält diesen Scheit in die Welt. An diesem entlang wird dann weiter erzählt. Die Log Lady ist die Struktur dahinter.

Berekhat-Ram

Die uralte Steinskulptur aus Berekhat-Ram in Israel ist mindestens 233.000 Jahre alt.

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Über die Projektemacherei

Dienstag, 11. Januar 2011

Sehr kurzer Versuch einer Aufwertung des Wortes “Projekt”, das mich, wie bestimmt viele andere, sehr nervt, aber ich finde einfach kein anderes

The building of Babel was a right project; for indeed the true definition of a project, according to modern acceptation, is, as is said before, a vast undertaking, too big to be managed, and therefore likely enough to come to nothing.

Der Turmbau zu Babel war ein echtes Projekt; denn die richtige Definition eines Projekt lautet, wenn man der modernen Bedeutung folgt: eine Riesenunternehmung, zu groß, um angeleitet zu werden, mit größter Wahrscheinlichkeit nicht umsetzbar.

Daniel Defoe, Autor von Robinson Crusoe, definiert in seinem “Essay Upon Projects”, Projekte eher so wie Luftschiffe, unerreichbare Traumgebilde, großartige Ideen, die in ihrer Gigantomanie anregen, die andere Sichtweisen zulassen, und die, wenn sie nur zu einem kleinen Grade vollendet würden, bereits einen bestimmten Missstand verbessert hätten. So gesehen, liest sich diese zunächst eher pessimistischen Definition als eine zukunftsweisende, humanistische. Die britische Designerin und Post-Punkerin Vivienne Westwood behauptete 2005 in einem kurzen Meinungstext Ähnliches: Denken für sich, an sich kann die Welt verändern. Es sei produktiver als das ständige Konsumieren. In ihren eigenen Worten:

Meine Botschaft ist sehr kompliziert. Im Wesentlichen sage ich den Menschen: “Wenn ihr nicht fernseht, erfahrt ihr euer eigenes Leben. Schaltet aus! Sitzt einfach nur da und macht nichts.” Eine schwierige Botschaft.

Wer ein Projekt angeht, plant, eventuell teilweise vielleicht, egal, umsetzt, der muss reflektieren, vergleichen, strukturieren, einen Ansatz entwickeln, eine Position finden, der muss sich hinsetzen und seine Gedanken fassen, ein Thema finden, eine Lücke, ein offenes Feld.

Yeah, let’s go outside. To meet the inside.

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Bloggermädchen 2010 wählen

Donnerstag, 6. Januar 2011
bloggermaedchen10

Wählt das Bloggermädchen 2010! Illustration: Fräulein Zucker

Wie im vergangenen Jahr (sehr lange spannende Liste von Bloggerinnen) hat das Blog Mädchenmannschaft erneut zur Wahl des Bloggermädchens aufgerufen. Aus den Top 10 von hundert vorgeschlagenen im Netz schreibenden Frauen könnt ihr bis zum 31. Januar eure Favoritin 2010 wählen!

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