Archiv für April 2010

Girls blog too

Freitag, 30. April 2010

Annina Luzie Schmid hat mich interviewt, für ihre Serie über bloggende Frauen auf “Girls Can Blog”. Vielen Dank!

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Digitale Arbeitswelten

Freitag, 23. April 2010

Ich habe für die taz einen Essay geschrieben, darüber, wie sich digitale Arbeit organisieren lässt. Natürlich haben sich auch andere Leute zu diesem Thema viele Gedanken gemacht, einige erwähne ich in meinem Text. Daher stelle ich hier die Online-Dokumente für eine tiefergehende Lektüre zusammen: Charles Leadbeater schreibt auf der US-amerikanischen Intellektuellen-Plattform, der Frank Schirrmacher sein erstes Interview zu seinem Überforderungsbuch “Payback” gab, über “The Promise and the Threat of Cloud Culture“. Von einer Bedrohung mag Geert Lovink nicht sprechen, er nennt die Übermacht der Netzkulturen, bzw. ihren Einfluss auf unsere Zeitwahrnehmungen “Kolonialisierung der Echtzeit“.

Wie das allseits in Europa sehnlichst erwartete iPad Situationen – nicht nur Kommunikation – digitalisiert, erklärt Mercedes Bunz auf ihrem Blog: “The iPad is lovely, and it hangs out with you”. Sie weist aber auch darauf hin, dass Apple mit dem iPad keine offenen Situationen zulässt, sondern nur Tätigkeiten, die die jeweils gekauften Apps erlauben.  Die Zukunft liegt im Programmieren, meint sie. Das sehe ich ähnlich, für mich sind Programmierer gar die neuen Eliten. Sie bestimmten, was wir mit Computer machen dürfen (siehe auch Jaron Laniers Manifesto “You are not a Gadget“).

Immer noch aktuell, was die Unmöglichkeit betrifft, Zukunft zu planen, wenn man in kurzfristigen Abständen denkt und arbeitet, ist der schon fast klassische Essay von Pierre Bourdieu “Prekarität ist überall“, aus dem Jahr 1998.

Eine andere Form der Mediennutzung, eine, die vielleicht nicht so energie-absaugend und ermüdend ist, schlagen die Verfasser des slow media-Manifests vor. Hier mal der dritte Paragraph: “Slow Media fördern Monotasking: Slow Media lassen sich nicht nebenbei konsumieren, sondern provozieren die Konzentration der Nutzer. So wie die Herstellung eines guten Essens die volle Aufmerksamkeit aller Sinne eines Koches und seiner Gäste erfordert, können Slow Media nur in fokussierter Wachheit mit Genuss konsumiert werden.” Daher kommt jetzt kein Link mehr. Dieser Lesestoff reicht, oder? Ich wünsche gute Versenkung.

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Lösch dein Feuer nicht!

Donnerstag, 15. April 2010

In Brasilien ist alles anders: Überall liebt man in Südamerika die Cumbia, eine Art Schlagermusik, in Brasilien liebt man Tecno Brega. Überall werden Gesetze von oben herab entworfen, in Brasilien schreiben die Bürger online an einem neuen Internetgesetz. Ronaldo Lemos, brasilianischer Netz-, Creative-Commons-Experte und Regierungsberater in Internetdingen, zeigte  in seinem Vortrag auf der Berliner Blogger-Konferenz re:publica, wie Free Culture in Brasil funktioniert:

Er veranschaulichte anhand der Entwicklung des brasilianischen Tecno Brega-Markts, wie sich der Kult für Technologie auf Soundsystem-Parties in einen starken Musikwirtschaftszweig entwickelt. Die DJs produzieren ihre eigenen CDs, für 30 Dollar in einem Aufnahmestudio und geben sie dann, ohne an den Einnahmen beteiligt zu werden, an die Straßenverkäufer weiter. Dort werden diese simplen CDs – ohne großartige Cover oder Booklets  – billig unter das Volk gebracht. Natürlich verkaufen auch die Künstler direkt: Dann aber teurer und mit interessanten Grafiken, mit Designs und Extras. Der DJ verdient an seiner billigen CD erst dann, wenn sie dazu führt, dass Investoren ihm Parties organisieren. Die Investoren verdienen an den Eintrittskarten.

Dieses mehrgleisige, vielmediale Geschäftsmodell führt, so Lemos, zu einer schnellen Anpassung an neue – auch digitale – Strukturen. Die beliebteste brasilianische Gruppe ist Calypso, ein “Produkt dieser Szene.” Ähnliche Szenen gäbe es natürlich auch in anderen “globalen Peripherien”, so etwa Bubblin’ (Surinam), Kwaito (Südafrika), Coupe decalé (Elfenbeinküste) oder Cumbia Villera (Argentinien), welche heute vor allem direkt übers Handy per Bluetooth heruntergeladen, der Straßenverkäufer ist dort, so Lemos, schon fast weggefallen.

Brasilien selbst passt sich derzeit auch sehr schnell an digitale Strukturen an, der Entwurf des neuen Internet-Gesetzes (Marco Civil da Internet) wird in 2 Phasen à 45 Tagen mit den Bürgern online diskutiert. In der ersten Phase erhielt gingen 800 Kommentare mit Vorschlägen ein, die in einem Entwurf verarbeitet wurden. Dieser ist seit dem 8. April 2010 online. Die zweite Phase dient nun der Diskussion des Entwurfes – der dann schlussendlich ganz klassisch vom Parlament diskutiert und verabschiedet werden soll.

Sagen wir es mit ein bisschen Cumbia: Lösch dein Feuer nicht!

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