Archiv für September 2009

#btw09

Sonntag, 27. September 2009

Hochrechnung um 18.14 Uhr: Union 33,4 / SPD 22,7 / FDP 14,8 / Linke 12,5 / Grüne 10,6 / Piraten 2,1

ZDF-Hochrechnerein

Hochrechnerin. In Twittergrün, am ZDF-Tisch.

Erste halbe Stunde nach Hochrechnungen: Twitterlesen ist besser und schneller als Fernsehen! Alle 10 Sekunden kommen 60-80 neue Tweets. Auf Twitter ist die Stimmung schlecht, viele wollen nur noch „kotzen“ und in den Keller gehen. Ins Bett. Auswandern. Hier eine Zitatcollage als erstes Stimmungsbild:

„Schwarzgelb ist eine Warnfarbe“ und „Willkommen im Überwachungs- und Atomstaat!“. Dass Angela Merkel (CDU) Kanzlerin bleibt, erscheint als Unausweichlichkeit, wird kaum diskutiert. Besonders an der Person Guido Westerwelle (FDP) entlädt sich der Frust: „Viel Spaß mit Guido!“ „Oh, Gott, Westerwelle als Außenminister.“ „Die soziale Kälte kommt, der große deutsche Egotrip.“ Dass mit Guido der erste homosexuelle Vizekanzler gewählt wurde, freut allerdings viele. Sie sehen bei der #btw13 schon eine rot-rote Koalition mit Wowereit als Kanzler. (weiterlesen …)

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Keine Angst vor Viren

Samstag, 26. September 2009

Viren funktionieren. Seit einiger Zeit schwappt ein Werbe-Trend in die Kulturvermarktung, der sich viral marketing nennt. Der Stern interpretierte ihn 2008 als die “Youtube-isierung Hollywoods“, in Zusammenhang mit der Werbung für einen Film von J. J. Adams.

Viral sein geht so: Botschaften produzieren, die sich wie Viren verbreiten, allerdings müssen es nette, hübsche, unterhaltsame oder intelligente Viren sein. Die jeder haben will. Ein bisschen wie Hermann, ein Trend-Kuchenteig der 1990er Jahre, den man mit Zucker, Mehl und Milch fütterte. Einen Teil des Teigs backte, einen Teil behielt und einen Teil verteilte man weiter an Freunde (hier ein Rezept). Virale Botschaften, oft Videos, unterstützen ein Produkt mit einer eigenen Botschaft, sie bewerben es sozusagen indirekt. Beispiele sind das Video der PEN Story, für eine Fotokamera von Olympus oder die Myspace-Videoshow von Markus Kavka, “gesponsert” von einem Walkman Handy von Sony Ericsson. Diese Botschaften werden, wenn sie witzig und gut gemacht sind, von anderen Menschen auf ihren Web-Plattformen verlinkt, auf Blogs gepostet, versendet und erreichen somit Tausende Zuschauer – und eventuelle Käufer. Das nennt man dann “Word of Mouth”.

Im Kulturbereich ist das virale Marketing noch eher selten, bzw. sind mir noch nicht so viele Beispiele bekannt. Da gibt es das Video, auf dem Bachmann-Preisträger Tilman Rammstedt sein Buch “Der Kaiser von China” auf Chinesisch mit von ihm eingesprochener Synchronstimme vorstellt (6.000 Aufrufe). Auch zum Prokrastinationsbuch (ist keine Krankheit) von Lobo und Passig gabs ein Video (86.000 Aufrufe). Europäisch: Den Piano-Battle zwischen den Musikern Gonzales und Jean-François Zygel. Die Mockumentaries für Mocky, einen in Berlin lebenden Musiker (beide Tipps von Can Gezer, Sprecher auf der Startconference in Duisburg). Wer kennt noch mehr interessante Kultur-Viren? Oder ist Kultur nicht immer etwas, das sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda eher als durch Plakate (nicht-virale Werbung) verbreitet? Was gut ist, spricht sich rum. Kommt vom Underground in den Mainstream – oder wird in den Kanon geadelt. So war das doch schon immer, oder? Was gut ist, wird – irgendwann – entdeckt.

Youtube-Berühmtheit erlangte zuletzt der Wedding Dance, der auf Youtube 25 Millionen Mal angeschaut wurde: eine Hochzeitsgesellschaft tänzelt zum Song “Forever” von Chris Brown durch den Kirchengang. Nicht nur Brown-Produzent Sony verdiente an dieser Vermählung, weil alle die Musik haben wollten. Nach dem Erfolg des Videos baute das Paar eine eigene Seite, auf der es um Spenden für eine Stiftung bittet, die sich gegen häusliche Gewalt einsetzt. Liebe, Tanzen, guter Zweck: Diesem Virus kann man nicht widerstehen. Abrams Film “Cloverfield” war übrigens eher ein Flop.

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die realität zwischen dir und mir (auf dem flug nach bolivien)

Freitag, 25. September 2009

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als ich wegnickte, hat die zeitzonennacht dich gebracht,
mein kopf, dein kopf, die ganze welt in eine schulter
gekippt mit dem push-back-sesselknopf,
in diese temperierte nische, die ich sofort finde,
wenn ich mich hinwende, bitte bleiben sie (weiterlesen …)

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Warum ein Internet-Manifest?

Mittwoch, 9. September 2009

Ein Manifest zu schreiben, heißt, seine Meinung in klaren Punkten kundtun, heißt, zur Gegenmeinung auffordern, heißt, laut um inhaltliche Aufmerksamkeit buhlen, ist auch Aufforderung zur Aktion. Am 7. September haben 15 einflussreiche deutsche Bloggerinnen und Blogger ein Internet-Manifest veröffentlicht. (weiterlesen …)

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Einmal um den Block

Mittwoch, 9. September 2009

Wenn ich einmal um meinen Häuserblock laufe, lesen sich die Graffitis, Plakate, Tags auf den Wänden wie ein Kurzkommentar zu all dem, was Blogs heute können und tun: Meinung äußern, Informationen senden, Unterhaltung bieten, Menschen miteinander in Beziehung setzen. Weltweit. Iranische Blogger lassen sich nicht den Mund verbieten, in Deutschland entsteht eine Bürgerplattform für engagierte lokale Hilfsprojekte. Obamas Wahlkampfteam mobilisierte regionale Akteure, vor allem über ihre Vernetzung im Web. Aber nicht nur Politiker nutzen die interaktiven Möglichkeiten von Blog, Twitter, Youtube und co. Sogar Lyriker bloggen. Und jeder kann es tun: über das, was auf der Straße, bei der Arbeit, auf einer Demo, in der Freizeit, bei Konferenzen und auf Festivals passiert.

Poster- und Street-Art Impressionen von Wand zu Wand, unterlegt mit einem Berlin-Song der Indierockband Nördliche Gärten erzählen davon, was man so auf ein Blog schreiben könnte.

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